Das Wörterbuch des NLP

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Imperative Selbst-Analyse Eine Anwendung von NLP auf den "Kern der Persönlichkeit", entwickelt von Leslie Cameron-Bandler (Cameron-Bandler und Lebeau 1993 (1988)). Das imperative Selbst ist ein Selbst, das - meist auf verborgene Weise - die Motive und Absichten eines Menschen lenkt ("imperativ" bedeutet "befehlend"). In der imperativen Selbst-Analyse, abgekürzt ISA, soll dieses Selbst erkundet werden. Damit soll eine erhöhte Wahlfreiheit erreicht werden, sich selbst über dieses Selbst und seine Zwänge hinaus entwickeln zu können. Die imperative Selbst-Analyse ist die linguistische Beschreibung der Kernmuster der persönlichen Organisation eines Menschen, ein umfassendes Modellieren der ganzen Person. Die Erkundung des Imperativen Selbst wird ermöglicht durch eine komplexe Sammlung von Informationen über die Gefühle / Stimmungen und die darin enthaltenen Lebensthemen eines Menschen. In der ISA geht es nicht um eine einzelne Emotion, sondern um ein ganzes Set von Emotionen.

Das imperative Selbst drückt sich auch in einer "Scheinfrage" oder "Scheinaussage" aus. Die Scheinfrage ist eine Zusammenfassung der grundlegenden Beliefs, der Grundüberzeugungen eines Menschen (core beliefs) in einem Satz oder einer Frage. So stellt sich jemand beispielsweise völlig automatisch und unbewusst in allen Situationen immer wieder die Frage: "Kann ich hier jemandem helfen?" Diese Frage wirkt als machtvoller Wahrnehmungs-Filter. Sie zwingt ihn dazu, in einer bestimmten Weise zu denken, zu fühlen und zu handeln. Ein anderes Beispiel: Wenn sich jemand fragt: "Weiß ich, wie ich es richtig tun kann?", so drückt sich in dieser Frage die Überzeugung aus, dass es einen richtigen Weg gibt, Dinge zu tun und dass die Aufgabe nur dann erledigt werden sollte, wenn man den richtigen Weg kennt, sie zu erledigen.

Schein-Aussagen und Schein-Fragen stehen nach der ISA im Dienste von "Grundmotiven" (Leitmotiven) einer Person. Diese Haupttriebkräfte werden häufig als eine Art innerer Zwang oder Druck erfahren. Die Erfüllung dieser Motive stellt das höchste Ziel, den höchsten Wert dar, für dessen Verwirklichung ein Mensch sich (oft erfolglos) einsetzt. Solche Triebfedern sind zum Beispiel Freiheit, Sicherheit, Macht, innerer Frieden, ein Gefühl von Zugehörigkeit, sich ganz lebendig zu fühlen. Ob diese dringenden Wünsche überhaupt erfüllbar sind und ob sie in einer konkreten Situation erfüllt werden, bestimmt darüber, ob die Person sich unglücklich und unzufrieden fühlt, oder ob sie ihr Leben als Blühen und Gedeihen empfindet.

 

© Walter Ötsch