
(A) Die erste Bedeutung stammt aus der Linguistik und wurde von
Bandler und Grinder zur Beschreibung der Wirkungsweise der Sprachmuster
des
Milton-Modells verwendet (1996 (1975)). Ein Beispiel ist die Verwendung einer
Metapher. Bei einer Person, die eine Geschichte hört, läuft folgender
Prozeß ab (225):
(1) Sie hört die Worte der Geschichte (eine
Oberflächenstruktur) und
(2) versteht die Bedeutung der Geschichte (ihre
Tiefenstruktur = Tiefenstruktur 1). Diese Bedeutung enthält keinen direkten
Bezug auf die Person selbst.
(3) Sie entwickelt eine parallelle Deutung (eine zusätzliche
Tiefenstruktur = Tiefenstruktur 2), die in das Welt-Modell der
Person "paßt), die für ihr Leben bedeutungsvoll ist (und damit
einen inneren Zustand in dieser Person aktiviert).

Mit anderen Worten: Sie hören eine Geschichte. "Sie werden in den Sätzen nicht direkt erwähnt, und es wird auch in der Tiefenstruktur kein Bezug auf Sie genommen. Trotzdem findet in Ihnen ein Prozeß statt, der einen Bezugsindex zur Verfügung stellt und den Worten die gleiche Bedeutung verleiht, als ob sie direkt an Sie gerichtet wären" (164).
Transderivationale Suchprozesse können durch alle Sprachmuster
des
Milton-Modells ausgelöst werden. Das Modell der transderivationalen Suche erklärt
die Wirkungsweise einer "kunstvoll vagen" Sprache: "wie Menschen sprachlichen Äußerungen eine spezifische Bedeutung geben, die in den Worten selbst nicht enthalten ist. ... Bandler
und Grinder vertraten nun die These, daß der Empfänger einer solchen
Botschaft Erfahrungen aus seinem Gedächtnisspeicher reaktivieren
muß. Nur so sei er in der Lage, dem Satz" (der Geschichte) "überhaupt
eine Bedeutung zuzuschreiben" (Walker 1996, 254ff.). Der Zweck therapeutischer Metaphern ist es, den (bewußten oder
unbewußten) Prozeß der Ableitungssuche für therapeutische Zwecke
in Gang zu setzen (Gordon 1995 (1978), 25f.).
(B) Der Begriff transderivationale Suche wird im NLP auch als
kinästhetische Erinnerungs-Strategie definiert (Andreas und Andreas 1992, 160; Baumler 1994, 84; ähnlich bei Dilts 1993 (1990), 123f. und 1995 (1989), 221). Ausgehend von einem körperlich erlebten
inneren Zustand (mit den entsprechenden Gefühlen) wird in der Vergangenheit eine
Referenz-Erfahrung gesucht, wo genau dieser Zustand erlebt wurde. Diese Methode
findet im NLP oft Anwendung, um
Ressourcen zu aktivieren. Kinästhetische Erinnerungs-Strategien werden auch
bei der
Neuprägung eingesetzt, um das ursprünglichen Prägungs-Erlebnis (oft in der
frühen Kindheit) ausfindig zu machen.