
(2) Wenn man davon ausgeht, daß eine Sprache, die einen Ausschnitt der Welt beschreibt, ein Modell dieser Welt ist, ist das Modell eines Modelles ein "Meta-Modell".
Ein Beispiel: Eine Landkarte beschreibt die Strecke zwischen Dresden und Warschau. Ein Modell der Landkarte wäre die Legende, die z.B. angibt, wievielen Kilometern in der Realität ein Zentimeter auf der gemalten Landkarte entspricht. Gleiches gilt für die Linguistik: Linguistik ist eine Wissenschaft, die die Strukturen der Sprache beschreibt. D.h. sie formuliert ein Set von Strukturelementen und Regeln, welche die Strukturen der Sprache, die zu beschreiben ist, möglichst genau erfaßt und abbildet.
Es gibt verschiedene Modelle, mit deren Hilfe die Wissenschaft
namens Linguistik sich dieser Aufgabe widmet. Eines davon ist
die
Transformationsgrammatik.
(3) Das Meta-Modell des NLP entstand, als man sich bemühte, die von Therapeuten verwendeten Sprachformen zu identifizieren und zu beschreiben. Es ist Ausdruck einer bestimmten Sprachphilosophie und benutzte die von Noam Chomsky in der frühen Transformationsgrammatik entwickelten Unterscheidungen.
Die Sprachphilosophie des Meta-Modells wurde nicht von Noam Chomsky, sondern von Alfred Korzybski und anderen Sprachphilosophen entwickelt. Die Sprachphilosophie besagt im wesentlichen folgendes: Ein Symbol ist nicht das, was es symbolisiert. Ein Wort ist nicht identisch mit dem, was es bezeichnet. Ein Wort bezeichnet ein Set von Erfahrungen, Sinneseindrücken und ihrer emotionalen Bewertung. Ein Symbol entsteht, wenn von Details dieser Erfahrung abstrahiert und die Erfahrung einem Konzept zugeordnet wird, nämlich einem Wort. Wenn jemand ein Wort benutzt, wie z.B. "Sicherheit", hat er viele Sinneseindrücke und emotionale Erlebnisse gehabt, die er mit diesem Wort assoziiert. Weder sind diese Eindrücke identisch mit dem, was er in der Welt erlebt hat, noch ist das Wort "Sicherheit" identisch mit den Eindrücken. Wenn Eindruck und Wort nicht miteinander identisch sind, ist es möglich, für einen Eindruck viele Worte zu verwenden und mit einem Wort verschiedene Erfahrungen zu assoziieren.
Wie ein Wort verwendet wird, lernt ein Kind zuerst in seinem Elternhaus. In der Zeit, in der es seine angeborene Fähigkeit nutzt, eine Muttersprache zu lernen, lernt es Erfahrungen mit den Wörtern dieser Sprache zu verbinden. Entsprechend den Strukturen dieser Sprache lernt es, die Wörter zu Sätzen miteinander zu verbinden. Es lernt sozusagen eine Regel: Verbinde diese Reize mit jenem Wort und benutze das Wort auf eine Weise, das andere dich verstehen. Während also die Erfahrungen, die mit einem Wort verbunden werden, immer individuell, einzigartig und unwiederholbar sind, sind die Regeln, welche Erfahrung mit welchem Wort verbunden werden sollen und wie Wörter verwendet werden sollen, kulturell bestimmt.
Wenn zwischen einer Erfahrung und einem Wort, bzw. einem geäußerten Satz eine Differenz besteht, fragt sich, wie das eine in das andere überführt wird. Wie und durch welche Regeln sind Erfahrung und Symbol miteinander verbunden? Wenn die Erfahrungen individuell und einzigartig sind, wie kann man dann damit rechnen, daß der andere im Gespräch etwas ähnliches meint, wie ich, wenn er ein Wort äußert?
Die Antwort Korzybskis: Man kann nicht damit rechnen, daß der andere auf dieselben Erfahrungen referiert wie ich, wenn er das gleiche Wort benutzt. Was ein Wort bedeutet, basiert:
(a) auf der individuellen Erfahrung mit dem Wort,
(b) auf der kulturell erlernten (oder der kulturell geteilten)
Erfahrung mit dem Wort, und
(c) auf dem Kontext, in dem das Wort verwendet wird.
Ein Wort hat nie nur eine Definition, unabhängig vom
Kontext. Um sich zu verständigen, muß man sich allerdings einigen und
daher gelten natürlich kontextabhängige Definitionen.
Wichtig ist zudem, daß ein Symbol immer auf eine bestimmte Erfahrung referiert, es ist nicht unabhängig von ihr. Wer ein Symbol verwendet, zwingt den anderen, sich die Erfahrungen, die er mit dem Wort verbindet, zugänglich zu machen. Verständigung wird besser, wenn wir nicht damit rechnen, daß der andere uns automatisch versteht, und daher nachfragen, welche Erfahrungen er mit einem Wort oder einem Satz verbindet, - und wenn wir damit rechnen, daß die Erfahrungen, die wir mit einem Wort gemacht haben, geteilt werden. Womit wir allerdings rechnen müssen (sonst wäre jede Verständigung unmöglich) ist, daß jemand anderer doch auch Erfahrungen mit uns teilen kann und daß er doch auch Regeln, wie Worte, verwendet werden, die er mit uns teilt.
(4) Die Leistung Noam Chomskys (Chomsky 1973 (1957)): Die Linguistik vor Chomsky war weitgehend eine beschreibende Wissenschaft. Man beschrieb also Daten, Beobachtungen zur Sprache. Chomskys wesentlicher Beitrag zur Linguistik war der, Sprache mit Hilfe eines komplexen Regelsystems zu erklären. Die im menschlichen Geist verankerten Repräsentationen wurden als Konstituenten der Sprachfähigkeit des Menschen analysiert und beschrieben. Kurzum: Chomsky formulierte ein Set von Regeln, die beschreiben, wie die Repräsentation einer Erfahrung über mehrere Stufen zu einem Satz wird, den ein Mensch ausspricht. Ebenso formulierte er ein Set von Regeln, nach denen ein Mensch einen gehörten Satz mit einer Bedeutung versieht.
Nach Chomsky stand nicht mehr sosehr das sprachliche Verhalten eines Sprechers im Mittelpunkt der Untersuchung, sondern das Kenntnissystem, oder seine Kompetenz. Davon ist auch der NLP-Gedanke abgeleitet, therapeutische Kompetenz als ein Set von Regeln zu beschreiben. Chomsky wollte die Regeln beschreiben, die ein kompetenter Sprecher anwendet, wenn er Sätze produziert und das NLP wollte die Regeln beschreiben, die ein kompetenter Therapeut anwendet, wenn er Erfolge produziert.
(5) Chomsky erkannte nun, daß die Sätze einer Sprache verschiedene
Strukturen haben: Oberflächen- und Tiefenstruktur. Die
Oberflächenstruktur eines Satzes vermittelt seine Form, die
Tiefenstruktur seine Bedeutung. Wir hören also einen Satz und geben ihm eine Bedeutung, indem
wir ihn mit einer Tiefenstruktur verbinden. Die Bedeutung eines
Satzes ist in der Oberflächenstruktur häufig nicht explizit vorhanden.
Die Tiefenstruktur eines Satzes gibt dessen Bedeutung an, weil
die Tiefenstruktur all die Informationen enthält, die zur Bestimmung
der Satzbedeutung erforderlich sind. Die Oberflächenstruktur eines
Satzes bestimmt dessen Form, so wie er in der Kommunikation gebraucht
wird. Die Oberflächenstruktur legt die syntaktischen Strukturen
fest, die für die tatsächlich gesprochene oder geschriebene Kommunikation
notwendig sind. Die Tiefenstruktur ist eine Struktur, die man
aufgrund der Bedeutung eines Satzes und seiner Syntax annimmt.
Die Tiefenstruktur ist daher eine Abstraktion, die Oberflächenstruktur
liegt der Sprachwirklichkeit näher.
Eine Oberflächenstruktur kann mehrere Tiefenstrukturen haben,
d.h. ein Satz kann mehrere Bedeutungen haben (
Mehrdeutigkeit) und eine Tiefenstruktur kann zu ganz verschiedenen Oberflächenstrukturen
transformiert werden, die alle die gleichen Bedeutungen haben
(
Synonymität).
(6) Tiefenstruktur und Oberflächenstruktur sind durch Transformationen aufeinander bezogen.
Alle Sprachen enthalten Transformationen, die Tiefenstrukturen
zu Oberflächenstrukturen transformieren. Diese Transformationen
sind Regeln, wie eine Tiefenstruktur in eine Oberflächenstruktur
zu überführen sei und umgekehrt. Transformationen sind also Operationen,
die auf Elemente der Tiefenstruktur angewendet werden. Diese Transformationen
sind die drei Modellbildungsprozesse: Generalisierung (
Verallgemeinerung),
Tilgung und
Verzerrung. Die Tiefenstruktur ist nun nicht mit der Erfahrung identisch,
von der sie abgeleitet ist: um die sprachliche Struktur einer
Bedeutung der einmal gemachten Erfahrung zuzuordnen, muß Erfahrung
aktualisiert werden. Daher sind bei der Transformation der ursprünglichen
Erfahrung zur Tiefenstruktur eines Satzes die gleichen drei Modellbildungsschritte
zu beobachten.
Diese Modellbildungsprozesse können mehrfach angewendet werden
und werden in der Regel auch mehrfach über mehrere Zwischenschritte
angewendet, so daß manchmal Oberflächenstrukturen geäußert werden,
die mit der ursprünglich einmal gemachten Erfahrung fast nichts
mehr zu tun haben. Sehr wichtig ist jedoch die Erkenntnis:
(a) daß es eine Verbindung gibt und
(b) daß sie mit Hilfe des Werkzeuges der Transformationsgrammatik
auch herstellbar ist.
(7) Die Unterscheidungen des Meta-Modells beschreiben die Form
der Oberflächenstruktur, bzw. der Tiefenstruktur. Wir haben es
also mit einer weiteren Beschreibungsebene zu tun. Die Oberflächenstruktur
eines Satzes bestimmt dessen Form, und die Meta-Modell-Unterscheidungen
beschreiben diese Form. Wenn wir feststellen, daß ein
Modaloperator verwendet wurde in einer Oberflächenstruktur, wie z.B.: "Du mußt
jetzt aufstehen", dann beschreiben wir die Form einer Form oder
die Strukur eines Satzes mit Hilfe einer weiteren Struktur.
Wichtig ist also, daß die Meta-Modell-Unterscheidungen Beschreibungen der Form der Oberflächenstruktur bzw. teilweise der Form der Tiefenstruktur sind. Diese Form wird so beschrieben, daß die Regeln dargestellt werden, die angewendet wurden. Wenn man sagt: "Du mußt jetzt aufstehen", dann wissen wir, durch die Art der Beschreibung, daß hier eine Tilgung der Konsequenzen stattgefunden hat, die eintreten, wenn der Sprecher nicht aufsteht.
Die Feststellung, es gäbe in einem beliebigen Satz einen Modaloperator der Notwendigkeit, hilft einem dann weiter, wenn man zugleich die Regel kennt, daß ein solcher Modaloperator auf eine Tilgung verweist. Man kann dann sinnvoll schließen, daß Elemente der Erfahrung des Sprechers getilgt wurden und man kann auch schließen, welche Elemente getilgt wurden. Es ist durchaus möglich, daß eine Meta-Modell-Verletzung auf mehrere Transformationen hinweist.
Beispielsweise muß man, um von einem Prozesswort wie "lieben"
zur Nominalisierung "Liebe" zu kommen:
(a) eine Tilgung anwenden ("Wer liebt wen?") und
(b) eine Verzerrung (ein Prozeß wird zum Objekt verzerrt).
Meta-Modell-Unterscheidungen sind nicht Tilgungen, Verzerrungen und Generalisierungen, sondern beschreiben das Resultat von Tilgungen, Verzerrungen und Generalisierungen.
(8) Wenn man die Regeln kennt, nach denen die verschiedenen Strukturebenen miteinander verbunden wurden, kann man von der Oberflächenstruktur zurückgehen zur ursprünglichen Erfahrung.
Es ist ein therapeutisch wichtiges Ziel, daß ein Klient das, was er sagt (die Sätze, die er ausspricht), mit dem in Zusammenhang zu bringen, was er tatsächlich erlebt hat. Die Sätze, die jemand im Gespräch äußert, sind häufig eine Deutung dessen, was er erlebt hat. Wenn dem Klienten die ursprüngliche Erfahrung zugänglich gemacht wurde, ist es möglich, diese ursprüngliche Erfahrung neu zu deuten. Da es mit Hilfe des Meta-Modelles sehr leicht möglich ist, dazu Hilfestellung zu leisten, ist das Meta-Modell ein für die therapeutische Arbeit entscheidend neues Werkzeug.
Ebenso wichtig ist es jedoch für die alltägliche Kommunikation: Eben weil man sich darauf trainiert zu hören, welche Form eine Oberflächenstruktur hat, macht man sich immer wieder bewußt, daß diese Oberflächenstruktur nicht mit der eigenen Bedeutung, die man ihr gibt identisch ist, und nicht mit der Erfahrung des Sprechers, der sie äußert.
(A) Resultat von
Tilgungen:
Wenn ein Mensch tilgt, löscht er Teile seiner ursprünglichen Erfahrung. Er tilgt Teile der Bedeutung der ursprünglichen Erfahrung. D.h. er spricht in Sätzen, in Oberflächenstrukturen, die darauf verweisen, daß Elemente der Tiefenstruktur (der Bedeutung der Erfahrung) im Transformationsprozeß ausgelassen oder gelöscht wurden.
Die wichtigsten Tilgungen beziehen sich auf folgende Elemente:
Verzerrungen Verzerrt ist eine Abbildung, bei dem die Landkarte oder das Modell das, was abgebildet werden soll, in einer anderen Form, anderen Größenverhältnissen etc. abbildet.
(a)
Nominalisierungen (Verzerrungen und Tilgungen)
(b) Präsuppositionen (
Vorannahmen)
(C) Generalisierungen (
Verallgemeinerungen)
Eine Generalisierung ist das Ergebnis oder der Akt (die Handlung), bei der ein Konzept unterschieden wurde, das umfassender ist als ein anderes. Eine Generalisierung ist keine Abstraktion, sie unterscheidet zwischen Abstraktionen. Die Fähigkeit zu generalisieren befähigt uns zu sagen, daß alle Elemente eines spezifischen Konzeptes auch Elemente des umfassenderen Konzeptes sind, aber nicht umgekehrt. Beispiel: Alle Schuhe und Schlipse sind Kleidung, aber nicht alle Kleidungsstücke sind Schuhe oder Schlipse.
Sprachliche Ausdrücke können das Resultat solcher Unterscheidungen sein, d.h. es wurde ein umfassenderer Ausdruck anstelle eines konkreteren gewählt.
(a) Fehlender Bezugsindex
(b) Universalquantoren
(c) Unspezifische Verben
(d) Komplexe Generalisierung: Äquivalenz (kann aber auch unter
Semantische Fehlgeformtheit eingeordnet werden, da die Aussagen
grammatikalisch wohlgeformt sind, wie z.B. die Aussagen beim Gedankenlesen,
die sprachliche Landkarte entspricht aber dem Gebiet nicht; s.u.).
(D) Semantische Fehlgeformtheiten
Der Begriff "Semantisch fehlgeformt" besagt, daß etwas syntaktisch richtig ausgesagt wurde, daß aber die "Landkarte" strukturell völlig anders ist als das "Gebiet". Die Landkarte ordnet einzelne Elemente in einer Weise zueinander, die es in der Realität nicht gibt. Die entsprechend fehlgeformte Landkarte führt zu fehlgeformten Handlungen.
Die wichtigsten Unterscheidungen:
(a) Komplexe Äquivalenz
(b) Ursache-Wirkung
(c) Gedankenlesen
(d) Verlorener Performativ
Beispiele für Sprachmuster des Metamodells.
Wer diese Unterscheidungen aus den Sätzen seiner Gesprächspartner heraushören kann, hat folgende Vorteile:
(a) Er lernt zu wissen und mit seinen ganzen Reaktionen zu fühlen,
wann er Informationen hat und wann nicht.
(b) Er hat jederzeit die Möglichkeit, alle wichtigen Informationen
zu erfragen.
(c) Er kann zwischen den individuellen Erfahrungen unterscheiden,
die er mit einem Wort oder Satz verbindet, und denen, die sein
Gesprächspartner damit verbindet. Er hört auf, sein Modell auf
andere zu projizieren.
Beispiele für Fragen nach dem Metamodell.
Es wird häufig gesagt, wenn man die Meta-Modell-Verletzungen eines Menschen kennt, kennt man sein Modell von Welt. Das wiederum halte ich persönlich für Unsinn. Man kennt seine typischen Meta-Modell-Verletzungen und damit seine Methode Landkarten zu erstellen, mehr aber auch nicht. Das Modell von Welt jedes Einzelnen ist unwiderruflich und unentrinnbar individuell.
(Text (1) bis (10) von Inke Jochims).
(11) Zusammenfassung: Das Meta-Modell kann u.a. für folgende Zwecke angewandt werden:
(a) zum Sammeln von Informationen, z.B. darüber, worin ein behauptetes
Problem nun wirklich besteht. Die Informationen, die wir mit Sprache
austauschen, sind oft vage und mehrdeutig. Das Meta-Modell schärft
die Sinne für die Gefahren einer vagen Sprache und gibt Anleitungen
für eine präzise Sprache.
Das Meta-Modell wird im NLP in der
Ziel-Arbeit immer angewandt, um Problem und Ziel genau zu erkunden, und um
konkrete Ziele und präzise
Ziel-Sätze zu formulieren.
(b) zum Klären von Bedeutungen. Sprache, die sich auf
innere Zustände bezieht, ist oft eine persönliche Sprache (z.B.: was versteht
jemand unter "glücklich sein"?). Mit dem Fragen-Katalog des Meta-Modells
können personenspezifische Bedeutungen erkundet und für sich selbst
und für andere "übersetzt" werden.
(c) zum Vermeiden von "Gedankenlesen", d.h. von vorschnellen Interpretationen auf dem Hintergrund der eigenen Erfahrungen und Beliefs. Mit dem Meta-Modell wird die Einstellung geschult: "Das, was andere sagen, ist nur ein Modell und dieses Modell ist anders als mein Modell".
(d) zum Erkunden von Einschränkungen und hinderlichen Beliefs,
d.h. von verdeckten
Vorannahmen. Dies kann z.B. im Beratungs-Kontext von großem Nutzen sein,
weil viele Probleme durch Beliefs verursacht sind, die nicht als
Beliefs erkannt werden.
(e) zur exakten Kenntnis eigener Tilgungen, Verzerrungen und Verallgemeinerungen und damit zum Studium eigener Modellbildungs-Muster.
(f) um ein Gespräch am "Köcheln" zu halten, ohne das Thema zu
wechseln. Das kann in einer Beratung nützlich sein, wenn der/die
BeraterIn noch keine Hypothese über das Problem gefunden hat.
Mit dem Fragen-Katalog des Meta-Modells wird der Ball immer wieder
an den/die KlientIn zurückgespielt. Das Meta-Modell ist auch ein
Instrument, um andere Menschen im Gespräch wirkungsvoll zu
führen.
(g) zum Entschärfen von Provokationen. Das Hinterfragen der Tiefen-Struktur
entzieht Provokationen die Wirkung. Mit dem Meta-Modell kann man
auch das
Punch-Reframing (Sleight-of-Mouth Pattern) unterlaufen.
(h) zum Gewinnen neuer Wahlmöglichkeiten, d.h. neuer
Ressourcen. Das Bewußtwerden der Tiefen-Struktur von Sätzen und Gedanken
aktiviert in vielen Fällen einen Ressourcen-Fokus.
Das Meta-Model ist damit mehr als ein nützliches Instrumentarium,
um gezielt Informationen zu sammeln. Die Anwendung des Meta-Modells
und seiner Frage-Techniken ist in vielen Fällen bereits eine Intervention,
die den inneren Zustand von Menschen verändern kann. Simples Nachfragen
ist manchmal schon eine massive Intervention.
Eine Kenntnis des Meta-Modells begünstigt die innere Haltung
des Neugierigseins und des Nachfragens und der Einstellung, den
anderen für ihre Gedanken und ihre persönlichen Welten Raum zu
geben. Was uns andere in ihren Worten erzählen, gibt für sie sicherlich
Sinn, aber wir wissen nicht, wie weit wir sie wirklich verstanden
haben. Mit dem Meta-Modell schulen sich Menschen, nicht vorschnell
auf Worte zu reagieren, sondern zu tun, als ob sie nichts wüßten,
und oft und gezielt nachzufragen (
Columbo-Technik). Dies eröffnet sowohl die Möglichkeit für wirksamen
Rapport, als auch die Chance, sich von anderen und ihren
Beliefs wirkungsvoll abzugrenzen.
Literatur: Bandler und Grinder 1994a (1975):, 1996 (1975); Cameron-Bandler 1992 (1978) undJochims 1995.
Zur Diskussion um das Meta-Modell vgl. auch: Bachmann 1993 (1991), 156ff., Schauer 1995, 61ff. und Walker 1996, 251ff.