

© Lucas Derks 1997
Die Menge an Informationen, die wir über verbale Sprache transportieren, ist demgegenüber verschwindend klein. Die verbale Informations-Vermittlung macht einen winzigen Teil der Informationen aus, die in Kommunikation zwischen Menschen ausgetauscht werden. Wir "reden" fast nur mit dem Körper und fast gar nicht mit der Sprache.
Kommunikation zwischen zwei Personen ist ein Informations-Austausch
in folgenden Größen-Ordnungen: Jede Person sendet über ihren Körper
10 Millionen Bit pro Sekunde. Jede Person empfängt über ihre Sinne
mindestens 10 (vielleicht sogar 100 oder 1000) Millionen Bit pro
Sekunde (Die genauen Zahlen sind umstritten, spielen aber für
das Argument keine Rolle). Dazwischen steht das Bewußtsein, das
ungefähr 10 Bit pro Sekunden an Informationen enthält: höchstens
ein Millionstel der Informationen, die wir bekommen und die wir
aussenden, ist uns bewußt.
Bewußtsein bedeutet Auswahl: der riesige Kosmos der Körpersignale wird auf
wenige Informationen reduziert.
Daraus kann ein interessanter Schluß gezogen werden: Anderen
Personen ist potentiell eine ungeheure Zahl von Informationen
über uns zugänglich. "Andere Personen wissen mehr als wir selbst,
da ihnen über unsere Körper-Sprache die Millionen Bit/Sekunde
in unserem Gehirn zugänglich sind, die nicht in unser Bewußtsein
gelangen." (Norretranders 1994 (1991), 226). Andere Personen wissen nicht quantiativ mehr (auch ihr Bewußtsein
ist auf vielleicht zehn Bit pro Sekunde beschränkt), sie können
aber ihr Bewußtsein (ihren speziellen Fokus) auf andere Informationen
richten, als wir selbst, d.h. sie "wissen" vielleicht qualitativ
mehr. Möglicherweise liegen wesentliche Teile unserer Persönlichkeit
jenseits unserer eigenen Aufmerksamkeit, sind aber für andere
potentiell verfügbar. (Ist das
Johari-Fenster 2 unvorstellbar groß?). (All dies hängt in jedem Fall von den spezifischen
Fähigkeiten von "Sender" und "Empfänger" ab. Menschen, die sehr
geübt sind, sich selbst, ihre inneren Vorstellungen und Repräsentationen
bewußt wahrzunehmen, wissen in jedem Fall "mehr" von sich, als
dies anderen möglich ist).
Die meisten Menschen achten in Kommunikation wenig auf Körper-Sprache,
(- vielleicht eine Auswirkung des
mechanistischen Welt-Bildes. Hier spielt die Wahrnehmung des Körpers keine große Rolle, vgl.
Berman 1989). Im NLP trainieren sich Menschen, Signale des Körpers wahrzunehmen,
die im kulturellen Wahrnehmungs-Training nicht beachtet werden.
(Eine spezielle Klasse körperlicher Signale wird im NLP
Zugangs-Hinweise genannt). Manche Personen, die dieses Training ernsthaft betreiben,
haben den Eindruck, "eine neue Welt zu betreten", wo sie Informationen
wahrnehmen und Informationen aussenden, die andere bewußt nicht
erfassen.
Körpersprachliche Informationen gelten bei Bateson und Watzlawick
als
Meta-Botschaften über verbale Botschaften. Im NLP wird dies (teilweise) kritisiert.
Stimmen verbale und nonverbale Informationen nicht miteinander
überein (d.h. sie sind
inkongruente Botschaften), dann sind die nonverbalen Botschaften nicht "wahrer"
als die verbalen Botschaften. Sie sind keine (hierarchisch geordneten)
Meta-Botschaften, sondern (gleichgeordnete)
Para-Botschaften. (Vgl. damit auch die Technik des
Kurzschließens).