Wahrnehmungs-Ebenen Repräsentations-Systeme

Wahrnehmungs-Filter Alles was wir an der Welt rings um uns wahrnehmen, ist kein Abbild der Welt, sondern ein Konstrukt, eine Konstruktion. Bewußtsein ist ein enormer Auswahl-Prozeß, bei dem einzelne Aspekte erkannt und andere nicht erkannt werden. Wahrnehmen ist ein Filterprozeß, - wie eine Brille, bei der bestimmte Arten des Lichts durchgehen und andere nicht. Der Filter-Prozeß der Wahrnehmung ist allgemein bekannt. Wenn jemand ein neues Auto kauft, dann "sieht" er nach dem Kauf mehr Autos dieser Marke, nimmt die Werbung bewußter wahr, usw. Der Kauf eines Autos (für die meisten eine größere Entscheidung) hat den Wahrnehmungs-Prozeß verändert: ein neuer Filter wurde wirksam.

NLP geht davon aus, daß alle Modelle, die Menschen entwerfen, "gefilterte" Modelle sind. Das Meta-Modell des NLP ist ein allgemeines Modell der Modell-Bildung bei Menschen. Danach gibt es drei große Arten von "Filter-Prozessen": Tilgung, Verallgemeinerung und Verzerrung. Die Frage-Techniken des Meta-Modells dienen auch dazu, einige der Filter-Prozesse, wie sie sich in Sprache spiegeln, bewußt zu machen, und Anleitungen zu einer "weniger gefilterten Sprache" zu geben.

Neben dem Meta-Modell der Sprache gibt es in NLP eine Vielzahl von Modellen, um Wahrnehmungs-Filter zu studieren und zu verändern. Beispiele sind die Repräsentations-Systeme im Denken und in der Sprache, die drei Wahrnehmungs-Positionen, der Unterschied zwischen assoziiert und dissoziiert und alle Meta-Programme, die als Katalog von Wahrnehmungs-Filtern gelten. Wirksame Wahrnehmungs-Filter sind die Beliefs, die Werte und die personale Identität einer Person. NLP offeriert eine Reihe von Änderungs-Techniken, die eine direkte Veränderung der Wahrnehmung bewirken können.

Ein wichtiger Gedanke von NLP ist die Zustandsabhängigkeit der Wahrnehmung. Die Art, wie wir bestimmte Ereignisse, bestimmte Menschen und uns selbst wahrnehmen, hängt in hohem Maße von unserem inneren Zustand ab. Die Selbststeuerungs-Techniken des NLP zielen darauf hinaus, den Wahrnehmungs-Prozeß in einer Weise zu verändern, wie es unseren Zielen und Werten mehr entspricht.

Der Filter-Prozeß der Wahrnehmung wird in allen konstruktivistischen Theorien betont. NLP ist praktizierter Konstruktivismus. In NLP studieren wir die Veränderung von Wahrnehmungs-Filtern bei anderen Personen und bei uns selbst. Weil alle Wahrnehmungen gefilterte Wahrnehmungen sind, sind alle Gedanken über die Welt, alles, was wir für "wahr" halten, keine Abbilder der Welt, sondern nur unsere Überzeugung, unsere Beliefs. NLP unterscheidet nicht nach "wahren" oder "falschen" Beliefs und nicht nach "wahrer" oder "falscher" Wahrnehmung. Ein spannender Punkt an NLP ist das Studium der Wechselwirkung von Beliefs und Wahrnehmung im Alltag: wie unsere Wahrnehmungs-Prozesse durch unsere Beliefs strukturiert werden und wie neue Beliefs durch neue Wahrnehmungen entstehen. In NLP wird die Plastizität und Veränderbarkeit von Beliefs und Wahrnehmungen betont. Alle Techniken, die Beliefs verändern, zielen auch darauf hinaus, Wahrnehmungsprozesse zu verändern.

Wenn man den Belief-Gedanken des Konstruktivismus ernst nimmt, dann ist die Filter-Metapher selbst eine unglückliche Metapher. Modell-Bildung, wie sie im Meta-Modell beschrieben wird, ist kein "Filter-Prozeß", sondern etwas anderes: "Filter haben nur eine einzige Funktion, nämlich die, eine Substanz aus einer anderen herauszufiltern. Ein Kaffeefilter filtert die Kaffeereste aus dem flüssigen Kaffee-Wasser-Gebräu. Der Kaffee ist im Wasser gelöst. Im Falle der Modellbildungs-Prozesse würde das bedeuten, daß sie nur die Funktion hätten, schon vorhandene Informationen von anderen zu trennen oder "herauszufiltern". Tatsächlich handelt es sich um erlernte Methoden, Modelle zu konstruieren. Symbole oder Sinneseindrücke haben "an sich" keine Bedeutung, sie bekommen erst Bedeutung während eines bedeutungsgebenden Prozesses. Welche Bedeutung sie bekommen, entscheidet sich unter anderem durch die Art der angewandten Modellbildung-Prozesse. Die Modellbildungs-Prozesse sind keine "Filter", sondern Methoden auf der Basis von Sinneseindrücken, um Bedeutung zu konstruieren." (Inke Jochims).