Referenz-Erfahrung Eine Erfahrung aus der Vergangenheit, die als"Beleg" oder als "Beweis" für einen inneren Zustand, eine Fähigkeit oder ein Belief dient. Wenn ich zu mir sage: "Ich bin eine interessante Person" und ich aktiviere das Gefühl dazu, dann erinnere ich mich (meist schnell) an Ereignisse, wo ich genau dieses Gefühl und das dazupassende Belief hatte. Diese Erinnerungen sind meine Referenz-Erfahrungen, die mir "beweisen", daß mein Belief "richtig" ist. (Gefühle zu aktivieren und nach Ereignissen in der Vergangenheit zu suchen, beschreibt die Technik der trans-derivationalen Suche. Sie dient der Ermittlung von Referenz-Erfahrungen).

Referenz-System Das Repräsentations-System, mit dem intern die Richtigkeit einer Erfahrung, die Wahrheit abgerufener Informationen überprüft wird. Eine Person reagiert z.B. auf die Frage nach einem Ereignis aus ihrer Vergangenheit mit folgender Erinnerungs-Strategie: (1) zuerst wird die Frage innerlich kommentiert (auditives Leit-System), (2) dann visuell repräsentiert (visuelles bevorzugtes System) und (3) das Ergebnis gefühlsmäßig überprüft. Diese Person verfügt also über ein kinästhetisches Referenz-System. In vielen Fällen ist das Referenz-System unbewußt. Es kann u.a. durch genaues Wahrnehmung der Augenmuster erkundet werden.

Reframing, reframen Die Bedeutung, die ein Ereignis, eine Aussage, ein Verhalten, ein Glaubenssatz, ein Auslöser, ein Reiz hat, hängt vom Kontext, vom Rahmen ab, in den wir es hineinstellen, den wir ihm geben. Frame ist der Rahmen. Reframing bedeutet, einen neuen Rahmen zu konstruieren, eine neue Bedeutung zu geben. Ein Bild kann in einem neuen Rahmen ganz anders aussehen und anders wirken. Wird ein Problem reframt, dann bekommt dasselbe Ereignis, eine neue Bedeutung: neue Reaktionen und neues Verhalten werden möglich. Reframing bezeichnet den Prozeß des Umdeutens: des Einnehmens einer neuen Perspektive, einer neuen Art der Wahrnehmung, einer neuen Interpretation.

Generell wird in NLP nach (1) Kontext-, (2) Bedeutungs- und (3) Inhalts-Reframing unterschieden (in manchen Fällen ist diese Einteilung nicht brauchbar).
(1) Beim Kontext-Reframing wird direkt der Rahmen verändert. Ein Problem wird einen neuen Rahmen gestellt, wo es als Problem verschwindet. Eine scheinbare Ressource wird in einen neuen Rahmen gestellt, wodurch sie zum Problem wird. Ein Beispiel für ersteres: Ein Vater hält seine Tochter für "aggressiv". Man könnte den Vater fragen: in welchem Kontext könnte "die Fähigkeit, sich durchzusetzen und sich zu wehren, wenn sie belästigt wird" nützlich und willkommen sein?
(2) Beim Bedeutungs-Reframing (auch Inhalts-Reframing genannt) bleiben Kontext und Situation erhalten, aber die Bedeutung wird verändert. Ein Beispiel: Eine Mutter ärgert sich über die Fußabdrücke ihrer Kinder am Teppich. "Fußabdrücke auf dem Teppich" haben für Sie die Bedeutung: "Niemand respektiert mich." Eine neue Bedeutung könnte sein: "Fußabdrücke auf dem Teppich" haben die Bedeutung: "Liebe Menschen sind im Haus".
3) Der Ausdruck Inhalts-Reframing wird in NLP unterschiedlich verwendet. Manche AutorInnen setzen diesen Ausdruck mit Bedeutungs-Reframing gleich: es geht um die inhaltliche Bedeutung einer Aussage und die Veränderung des Bedeutungs-Inhaltes. Für andere ist der Ausdruck Inhalts-Reframing ein Überbegriff mit dem Kontext- und dem Bedeutungs-Reframing als Sonderfälle. Beide Reframings können nämlich nur dann durchgeführt werden, wenn der Coach den Inhalt (den Wortlaut) der problematischen Aussage kennt. D.h. im Unterschied zu anderen NLP-Interventionen kann der Coach nicht alleine auf der Prozeß-Ebene agieren, sondern muß auch gewisse Inhalte des Problems kennen.

NLP hat eine Vielzahl von Reframing-Techniken entwickelt, z.T. von anderen Richtungen übernommen, und sie in einfache Prozeß-Anleitungen übersetzt. Beispiele sind:
(1) das Punch-Reframing (Sleight-of-Mouth-Patterns), ein Liste von Sprach-Mustern zum schnellen Uminterpretation von Aussagen,
(2) das Verhandlungs-Reframing, dessen Struktur sowohl für innere Konflikte ("zwei Seelen wohnen ach in meiner Brust") als auch für Verhandlungen mit anderen Menschen hilfreich sein kann,
(3) das Symptom-Reframing, geeignet für den Umgang mit Körper-Symptomen, wie Krankheit,
(4) das Paar-Reframing, angewandt für Konflikte bei Partnern ( eine Übungs-Anleitung dazu) oder
(5) Techniken, die sich gut zur Selbststeuerung eignen, wie die Übung "Aus Fehlern lernen" ( Anleitung dazu).

Die meisten Reframing-Techniken des NLP beinhalten zwei Konzepte:
(1) das Konzept der Teile: unerwünschtes Verhalten nach außen (wie z.B. Agressivität) oder nach innen (z.B. Krankheit) wird einem "Teil" im Unbewußten zugeordnet. Dieser Teil wird vom "restlichen Ich" abgetrennt und mit ihm (wie mit einer fremden Person) Kontakt aufgenommen, und
(2) das Konzept der guten Absicht: unerwünschten, störenden und unverständlichen "Teilen" wird - als grundlegende Vorannahme - eine positive Intention unterstellt, auch wenn dies auf den ersten Blick nicht erkennbar sein mag. Das Umdeuten besteht darin, diese positive Absicht herauszufinden, bewußt zu machen und in neues Verhalten umzusetzen.

Das Standard-Verfahren des Reframings ist das Sechs-Stufen-Reframing. Die sechs Stufen sind:
1) Das, was stört, identifizieren (ein Verhalten, eine Symptom, innere Stimmen, andere Personen, etc.)
(2) Kontakt mit dem dafür verantwortlichen Teil herstellen
(3) Die gute Absicht dieses "Teils" herausfinden
(4) Kontakt mit dem kreativen "Teil" herstellen und neue Verhaltensweise für das ursprünglich Störende finden
(5) Ökologie-Check, ob alle anderen "Teile" im Unbewußten einverstanden sind
(6) Future Pace.
(Die Reihenfolge von Schritt 5 und 6 wird auch manchmal vertauscht). Eine ausführliche Erklärung finden Sie im Stichwort Sechs-Stufen-Reframing.

Sich in der Kunst des Reframings zu üben, ist ein hervorragendes Training, innerlich flexibel zu werden. Wenn alle Deutungen, die wir Menschen machen, nur Konstrukte ohne Wahrheits-Anspruch sind, dann kann jede Deutung, (auch die, and die wir lange geglaubt haben) verändert, umgedeutet werden. Deutungen sind Beliefs und die Reframing-Techniken des NLP sind gut geeignet, den Belief-Gedanken zu illustrieren. "Reframing ist auch das entscheidende Element im kreativen Prozeß", meinen Bandler und Grinder, "da es die Fähigkeit ist, ein ganz gewöhnliches Ereignis in einen neuen Rahmen zu stellen, der nützlich oder unterhaltsam ist." Witze basieren fast immer auf Reframings. Einige (nicht so ernst gemeinte?) Reframes zu Therapie, Beratung und NLP.