Phobie, Phobie-Technik Eine Phobie ist eine "unvernünftige" Angst vor bestimmten Situationen, Menschen, Tieren, Gegenständen. Phobien sind z.B. Angst vor dunklen oder überfüllten Räumen oder vor Schlangen oder Spinnen. Phobien sind automatisch und schnell ablaufende Reaktionen mit unangenehmen, manchmal sehr intensiven Empfindungen: "Immer, wenn ich eine Spinne sehe, ekelt es mich!". Für NLP ist das Problem einer Phobie die zu starke Assoziation. Personen, die an phobischen Reaktionen leiden, sind mit ihrem Zustand zu stark
assoziiert. Sie sind in ihrem Erleben gefangen und fühlen sich unfähig, sich davon zu distanzieren (und z.B. darüber nachzudenken, daß von einer Spinne in der Regel keine Bedrohung ausgeht).
NLP hat Phobie-Techniken entwickelt, die manchmal andauernde Wirkungen haben können. In der Regel handelt es sich um sehr kurze Interventionen (auch
Ultrakurzzeit-Therapie genannt) Diese Verfahren bestehen in ihrem Kern aus zwei Schritten: (1) sich eine phobische Situation in einer sehr dissoziierten Weise in Erinnerung zu holen, und (2) die so betrachtete und von außen erlebte Szene imaginativ in irgendeiner Weise zu verändern, die innerlich als positiv und weniger bedrohlich erlebt wird.
Varianten für (1) sind: (a) eine einfache Dissoziation; z.B. im Kino einen Film betrachten, in welchem diese Szene gespielt wird, (b) eine zweifache Dissoziation, z.B. vom Projektor-Raum sich selbst im Zuseherraum beobachten, wie man den Film auf der Leinwand sieht.
Varianten für (2) sind: (a) eine oder mehrere
Untereigenschaften des Films verändern. Beispiele: mit lauter Zirkusmusik unterlegen, in einen Schwarz-Weiß-Film verwandeln, den Film rückwärts laufen lassen, sehr schnell oder sehr langsam, in Zeitlupe, ablaufen lassen. (b) der Person (sich selbst) im Film eine Ressource geben, wie: einen Schutzschirm, ein hilfreiches Symbol oder mit Farbe umhüllen. Konkrete Phobie-Techniken reichern diese zwei Schritte, je nach Problemlage, mit zusätzlichen anderen Schritten an.
Anleitung zu einer Phobie-Technik mit zweifacher Dissoziation,
Anleitung zu einer Phobie-Technik mit Ressourcen-Anker,
Anwendung dieser Techniken auf Traumata.
Physiologie Die Medizin unterscheidet nach Physiologie und Pathologie. Physiologie ist die Lehre von den normalen (gesunden) Lebensvorgängen, Pathologie die Lehre von den Krankheiten. In NLP wird der Ausdruck Physiologie zweifach verwendet:
(1) Physiologie bezeichnet alles, was mit dem phyischen Körper (im Unterschied zum psychischen Geschehen) zu tun hat. Die Physiologie einer Person umfaßt alles, was durch
genaues Wahrnehmen von außen beobachtet werden kann, d.h alle
Zugangs-Hinweise, wie Körperhaltung,
Atmung, Lippengröße, Gesichtsfarbe,
Muskelspannungen,
Augen-Bewegungen, alle auditiven
Untereigenschaften der Stimme, die gesamte
Körper-Sprache. NLP geht von der Einheit von Körper und Geist aus. Die Physiologie eines Menschen hat einen direkten Einfluß auf seine kognitiven Prozesse und auf seinen
inneren Zustand. Kleine Veränderung in der Physiologie (z.B. den Kopf ein klein bißchen höher halten) können auf eine großen Einfluß auf die innere Befindlichkeit ausüben. Im
Anker-Konzept des NLP wird der direkte Zusammenhang von Körper und innerem Zustand erfahren. In den
Selbststeuerungs-Techniken des NLP geht es auch um die Schulung von
Körper-Wahrnehmung und dem bewußten Einsatz des Körpers für die eigene Befindlichkeit.
(2) Physiologie ist der körperliche Gesamt-Eindruck, der sich auf einen bestimmten inneren Zustand bezieht. Thies Stahl unterscheidet nach
Problem-Physiologie,
Ziel-Physiologie,
Ressourcen-Physiologie,
Versöhnungs-Physiologie und
Misch-Physiologie.
Placebo-Effekt Das Wort "placebo" kommt aus dem lateinischen und bedeutet "ich werde gefallen". Ein Placebo ist ein Heilverfahren (eine Pille, eine Spritze, ein chirurgischer Eingriff, ein psychotherapeutisches Verfahren), das keine "wirkliche" Wirkungen hat (z.B. eine Pille, in der nur Traubenzucker enthalten ist). Ein Placebo-Effekt entsteht, wenn ein Placebo nachweisbare Wirkungen hervorruft (z.B. Schmerzen lindert), ohne das ein genauer Wirkungs-Mechanismus bekannt ist. Placebo-Effekte werden vor allem durch psychische Faktoren "erklärt": von den Erwartungen der Patienten, den Ruf einer Behandlungsmethode, oder dem Glauben des Arztes an seine eigene Diagnose. Placebo-Effekte sind in Hunderten Untersuchungen genau erforscht. Man weiß z.B. daß die Größe, Form oder Farbe einer Pille einen systematischen Einfluß auf ihre Wirksamkeit haben kann. Fast jedes Verfahren kann - im entsprechenden Setting verabreicht- bei gut 30 - 40 Prozent der Patienten (je nach Suggestion) toxische (giftige) oder heilende Wirkungen hervorrufen. Vermutlich handelt es sich um ein generelles Problem jeder "Behandlungsmethode" (inklusive NLP!). In der Gedanken-Welt des NLP sind Placebo-Effekte ein Indiz für die Wirksamkeit mentaler Repräsentationen, im besonderen von
Beliefs, von
Framings und von hypnotischer Sprache (z.B. verkörpert durch die Autorität des Arztes, der unverständliche Fremdworte mit hohem Prestige-Gehalt verwendet).
Milton-Modell.
Polaritäten Das Fremdwörter-Lexikon definiert Polaritäten als "Gegensätzlichkeiten bei wesensmäßiger Zusammengehörigkeit". Ein polares Denken konstruiert gegensätzliche Begriffe nicht als "Widersprüche", sondern als Pole, die wie der Nord- und der Südpol grundsätzlich zusammengehören und nicht für sich alleine existieren können. Viele Begriffs-Paare im NLP-Begriffe sind sinnvoll als polare Begriffe zu verstehen. Beispiele sind die "Gegensätze" von
assoziiert und
dissoziiert, von
up-time und
down-time, der unterschiedlichen
Wahrnehmungs-Positionen, der drei Zustände im
Walt-Disney-Modell und vieler
Meta-Programme. NLP versteht diese "Gegensätze" als
Teile, die sich nur oberflächlich widersprechen, aber "wesensmäßig" zusammengehören. Jeder Teil ist auch in seiner Beziehung zu anderen Teilen definiert und kann nicht isoliert für sich bestehen. Bei behaupteten "Gegensätzen" können immer Elemente des scheinbaren Gegenteils entdeckt werden. Das polare Denken über "Gegensätze" in der "Innen-Welt" basiert auf einer grundsätzlichen UND-Haltung. Niemand kann (nicht einmal für einen genau definierten
Kontext) in seinem Verhalten und Denken ausschließlich einem Pol zugeordnet werden. NLP verwendet keine Persönlichkeits-Modelle, wo Menschen in starre Kästchen eingesperrt werden. NLP betont die Kontext-Abhängigkeit von Personen. Menschen, die in bestimmten Kontexten mehr den einen Pol aktivieren (z.B. bei Konflikten oft assoziiert sind), leben in einem anderen Kontext den anderen Pol (d.h. sind hier bei Konflikten meist dissoziiert). Das Wissen um die Automatik eines Poles (d.h.: in einem bestimmten Kontext, mit bestimmten
Ankern wird automatisch ein Pol aktiviert) birgt die Lernchance, auch in diesem Kontext einen leichten Zugang zum anderen Pol zu finden. NLP will niemals den einen Pol durch den anderen ersetzen (das wäre eine ODER-Haltung). Das Ziel ist eine Person, die fähig ist, jeden Pol frei wählen zu können. Jeder Pol ist eine
Ressource, dessen Wert immer betont wird. Das polare Denken ist die Grundlage der Teile-Arbeit im NLP, insbesondere in den Techniken des
Reframings.
Polare Reaktionen, polarity response Manche Personen sind auf
Mismatching spezialisiert: sie nehmen (in manchen
Kontexten) mehr und deutlicher das wahr, was abgeht, fehlerhaft ist oder nicht einem Ideal oder einem
Ziel entspricht. Polarity response ist eine Reaktion auf das, was beim Mismatching wahrgenommen wird. Eine polare Reaktion ist eine gegenteilige Reaktion. Eine Person mit diesem Reaktions-Muster kann oft dadurch motiviert werden, indem das Gegenteil angesprochen wird (
Meta-Programm: weg von). Das Interesse eines Polarity-Responder kann geweckt werden, wenn er etwa hört: "Ein NLP-Lexikon wird Sie sicher nicht interessieren". Im
Milton-Modell werden für Personen mit polaren Reaktionen
eingebettete Befehle vorgeschlagen, wobei der Befehl mit der Stimme
analog markiert werden soll: "Ein NLP-Lexikon wird sie sicher nicht interessieren."