Mechanistisches Welt-Bild Das Welt-Bild der Neuzeit seit dem 17. Jahrhundert. Die Grund-Aussage des mechanistischen Welt-Bildes ist einfach: alles ist eine Maschine. Was ist eine Maschine? Eine Maschine besteht (nach Carolyn Merchant):
(1) aus Einzelteilen,
(2) die miteinander kausal-funktinal verbunden sind.
(3) Diese Verknüpfungen sind logisch beschreibbar: es gibt einen Bauplan. Eine Maschine ist ein logisch geordnetes System. Sie verkörpert Ordnung und Regelmäßigkeit. Alles ist determiniert, alles kann berechnet werden.
(4) Eine Maschine ist ein "Ding", das von anderen "Dingen" getrennt ist. Sie kann von außen manipuliert werden und verleiht dem Manipulator Macht.
(5) Jeder Teil der Maschine kann getrennt analysiert werden. Die Summe der Informationen über die Einzelteile und ihre Verbindungen ergibt die Gesamtheit der Informationen über die Maschine.
(6) Eine Maschine kann durch (diskrete) Sinnes-Daten erforscht werden. Alles an der Maschine kann gemessen werden.
Im mechanistischen Welt-Bild werden dieses Aussagen auf ALLES übertragen. Danach gilt:
(1) Die Natur besteht aus diskreten Teilchen, wie Atome oder Elementar-Teilchen (atomistische Ontologie),
(2) die durch einen Kausal-Zusammenhang miteinander verknüpft sind.
(3) Diese Verbindungen können formal-logisch beschrieben werden. Es gibt einen Bauplan (Naturgesetze). Die Welt ist ein logisch geordnetes System. Sie verkörpert Ordnung und Regelmäßigkeit. Alles in der Natur kann mit den Mitteln der formalen Logik und der Mathematik beschrieben werden.
(4) Subjekt und Objekt sind radikal getrennt. Die Welt (die Objekte) kann von außen (von den Subjekten) manipuliert werden. Die Subjekte bekommen dadurch Macht über die Welt: über die Natur, über Dinge, über andere Subjekte (die wie Objekte behandelt werden). Wissen ist Macht.
(5) Die Natur kann in ihre kleinsten Einzelteile zerlegt werden. Jedes Einzelteil kann getrennt analysiert werden. Die Summe der Informationen über die Einzelteile und ihre Verbindungen ergibt die Gesamtheit der Informationen über die Natur (methodologischer Reduktionismus).
(6) Alle Aspekte der Natur sind quantitativer Art. Alles ist meßbar. Sinnes-Daten sind diskrete Meßdaten (erkenntnistheoretische Voraussetzung).
Das mechanistische Welt-Bild hat viele Aspekte. Es ist eine philosophisches und wissenschaftliches Gedanken-Gebäude mit unzähligen Varianten - von Descartes (seinem Begründer) bis hin zur modernen kognitiven Psychologie (auf die sich viele Vertreter des NLP berufen) und der künstlichen Intelligenz-Forschung (wo manche den menschlichen Geist als Maschine nachbauen wollen). Der wichtigste Einfluß des mechanistischen Welt-Bildes ist sein Einfluß auf den Alltag, auf die Alltags-Wahrnehmung der meisten Menschen. Das mechanistische Welt-Bild ist das grundlegende
Belief unserer Kultur, die heimliche
Vorannahme vieler Menschen, ihr wichtigster
Wahrnehmungs-Filter. Die meisten Menschen (WIR ALLE!) haben in einem langen intensiven Lern-Prozeß über viele Jahre hinweg gelernt, die Welt genauso wahrzunehmen, wie es das mechanistische Welt-Bild beschreibt: für uns gibt es "Dinge", getrennt von uns, den leeren Raum, die lineare Zeit. Es gibt Kausalität und Naturgesetze (alles andere ist "Zufall") und wir selbst sind so etwas wie "Dinge", isoliert und radikal getrennt von allem um uns herum. Das mechanistische Welt-Bild beschreibt die "eigentliche Realität", die "eigentliche Wirklichkeit". Das mechanistische Welt-Bild ist ein gewaltiges Belief, dessen Auswirkungen den meisten Menschen in unserer
Kultur nicht bewußt sind.
Das mechanistische Welt-Bild beschreibt die Welt, "wie sie ist". Sie lenkt damit den
Fokus des Bewußtseins auf bestimmte Aspekte der Welt und blendet andere Aspekte systematisch aus.
Bewußtsein ist ein Auswahl-Prozeß und in der Kultur der Maschine haben Menschen gelernt, ihre Welt genauso wahrzunehmen, wie es das mechanistische Welt-Bild beschreibt. Ist das Bewußtsein von Menschen auf etwas Bestimmtes ausgerichtet, dann definieren sie sich selbst ein
Ziel. Ist eine ganze Kultur auf bestimmte Aspekte der Welt ausgerichtet, dann definiert sie sich ein gewaltiges kulturelles Ziel, das die Energien vieler Menschen bündelt. Das mechanistische Welt-Bild ist ein gewaltiges
Ziel-Bild. Seine Handlungs-Anleitung ist, "mehr" von der "Welt" zu bekommen: mehr Dinge, mehr Geld, mehr Macht, mehr Prestige. Die "offizielle" Lebens-Orientierung vieler Menschen folgt unmittelbar aus dem Welt-Bild, an das sie glauben.
Der springende Punkt beim mechanistischen Welt-Bild ist die Frage des Bewußtseins. Das mechanistische Welt-Bild kann Bewußtsein nicht definieren und nicht erklären. Das Bewußtsein ist das große Rätsel im mechanistischen Welt-Bild. Bewußtsein ist hier immer nur ein "Zweit-Phänomen", abgeleitet von der "realen Außen-Welt". In der kognitiven Psychologie ist die
Computer-Metapher des Geistes verbreitet, - das Belief, der Geist (das Bewußtsein?) sei so etwas wie ein Computer (eine Maschine zur Manipulation von Symbolen). NLP als Neuro-Linguistisches PROGRAMMIEREN ist mit dieser Metapher verbunden. NLP basiert damit, so könnte man sagen, auf einem mechanistischen Bild der Welt und des menschlichen Geistes (und der darin enthaltenen Intention, die Welt und andere Menschen zu
manipulieren).
Tatsächlich ist NLP eine praktische Kritik des mechanistischen Welt-Bildes. NLP betrachtet das menschliche Bewußtsein, den menschlichen Geist, als eigenständiges Phänomen, das nicht durch die "Außen-Welt" alleine erklärt wird (wie im
Anker-Konzept, abgeleitet aus dem
Behaviorismus, einer alten Variante eines mechanistischen Welt-Bildes in der Psychologie). Für NLP ist das Bewußtsein ein Phänomen eigener Art, mit eigenen Gesetzmäßigkeiten, eigenen Methoden zuseiner Erkundung und eigenen Handlungs-Anleitungen. NLP beschäftigt sich mit der Theorie und Praxis des menschlichen Bewußtseins. NLP konzentriert sich auf Phänomene, die das mechanistische Welt-Bild nicht erklären kann. NLP nimmt die subjektive Realität, das menschliche Bewußtsein, ernst. Die "Techniken" des NLP sind Anleitungen zum Erkennen und zur bewußten Gestaltung des eigenen Bewußtseins (ein selbst-bezüglicher Vorgang) und des Bewußtseins anderer Menschen.
NLP widerspricht in seiner praktischen Arbeit wichtigen Aspekten des mechanistischen Welt-Bildes:
(1) NLP arbeitet manchmal, wie in der
Ziel-Arbeit, mit der Symbolik von "Dingen". "Dinge" im menschlichen Erleben sind mehr als nur ihre naturwissenschaftlichen Aspekte.
(2) Für NLP gibt es keinen "leeren Raum". Menschen "bevölkern" in ihrer Innen-Welt den Raum um sich herum die ganze Zeit mit inneren "Bildern", vor allem mit visuellen und auditiven "Bildern" (Das Modell der
Augen-Bewegungen dient zur Erkundung dieser "Bilder". Im
Sozialen Panorama-Modell wird die Konstruktion der sozialen Welt als Konstruktion einer fiktiven Landschaft, bevölkert mit Menschen, beschrieben).
(3) für NLP ist die Existenz der linearen
Zeit kein "objektiver Tatbestand". NLP studiert die subjektive Konstruktion von Zeit in Form der inneren
Zeit-Linie. Zeit ist für NLP nichts Fixes. Zeit ist variabel, sie kann
verzerrt und bewußt gestaltet werden.
(4) Für NLP ist der menschliche Körper keine Maschine. Krankheiten gelten hier als Botschaften von
Teilen aus dem
Unbewußten, deren Bedeutung erkannt werden kann. Heilung wird möglich, wenn die Botschaft des Körpers und seine
gute Absicht auf andere Weise gelebt werden kann.
(5) Für NLP ist die
Identität einer Person nichts Fixes, wie ein "Ding" mit vorgegebenen Eigenschaften. NLP hat einen plastischen Identitäts-Begriff, der Identitäts-Begriffen im Rahmen des mechanistischen Welt-Bildes widerspricht.
(6) NLP überschreitet im Modell der
logischen Ebenen den rein individuellen Ich-Begriff. Menschen konstruieren eine Ebene der
Zugehörigkeit, auf der sie ihr Bewußtsein auf etwas "Über-Individuelles" richten. Hier geht es um eine Verbindung, in der Menschen fähig sind, die behauptete radikale Trennung mit dem, "was um uns herum ist" (die Subjekt-Objekt-Trennung) manchmal und zeitweise aufzuheben. (Das Ich, das sich von der Welt getrennt erlebt, ist letztlich eine Illusion).
(7) NLP hat einen
Werte-Begriff, der der "offiziellen" (materialistischen) Lebens-Orientierung im mechanistischen Welt-Bild widerspricht. Menschen richten in ihrem Erleben ihre
Ziele nicht ausschließlich auf "äußere" Erfolge (oder auf "äußere Macht"), sondern auf "innere" Erlebnis-Qualitäten, auf das Erleben bestimmter
innerer Zustände.
Der wichtigste Gedanke des NLP, der das mechanistische Welt-Bild widerlegt, ist der
Belief-Gedanke. NLP identifiziert sich nicht mit religiösen, wissenschaftlichen oder sonstigen Glaubens-Systemen. NLP widerspricht auf der Inhalts-Ebene jedem Welt-Bild, weil es keinen Wahrheits-Begriff (im Sinne einer absoluten Wahrheit) und keinen Realitäts-Begriff (im Sinne einer objektiven Realität) kennt. NLP beschäftigt sich nicht mit der Ebene des Inhalts von Beliefs, sondern mit der
Meta-Ebene von Beliefs: mit der Entdeckung von Beliefs, mit dem Studium der Wirkung von Beliefs, mit der Veränderung von Beliefs. Welt-Bilder sind Beliefs. NLP ist praktizierter Konstruktivismus, wo das mechanistische Welt-Bild auf eine praktische Weise überschritten wird.
Weil das mechanistische Welt-Bild (immer noch) das Welt-Bild unserer Kultur ist, leistet NLP damit seinen Betrag zu einer Transformation unserer Kultur, wo wir uns kollektiv langsam neuen Realitäts-Bildern zuwenden. NLP ist Teil einer kulturellen Transformation, deren gesellschftlichen Auswirkungen nicht absehbar sind.