Kongruenz Die Übereinstimmung verbaler und nonverbaler Elemente in der Kommunikation. Bei einer Person, die kongruent ist, stimmen der Inhalt der Botschaft mit der
Körpersprache und mit den
auditiven Untereigenschaften der Botschaft überein. Alle kommunikativen Aspekte, wie die Worte, der Tonfall oder die Körpersprache passen zueinander. Sie transportieren die gleiche Botschaft. Inkongruenz bedeutet demgegenüber einen Widerspruch, z.B. zwischen dem Gesagten und dem Verhalten.
Kongruente Menschen haben widerstrebende innere
Teile in sich integriert: ihre
Beliefs, ihre
Strategien und ihr
Verhalten sind in Übereinstimmung. Kongruenz ist eine der
Satir-Kategorien im Kontrast und Gegensatz zu den vier Kategorien von inkongruenter Kommunikation. Das Ziel der
Änderungs-Techniken des NLP ist die Erlangung oder Wiederherstellung von Kongruenz in bestimmten Situationen. Das Ziel der
Selbststeuerungs-Techniken von NLP ist die Schaffung einer kongruenten Persönlichkeit.
Kontext Der Ausdruck Kontext wird in NLP in einem zweifachen Sinne verwendet: (1) als die Umstände, der Rahmen für ein bestimmtes Ereignisses, und (2) als die Umstände oder der Rahmen, den eine Person um ein Ereignis herum mitdenkt oder mitkonstruiert.
(1) In der ersten Begriffs-Verwendung spricht man vom Kontext der Arbeit, der Partnerschaft, der Freunde, usw. Kontexte sind Lebens-Umstände, Lebens-Bereiche. Alle Menschen leben in vielen Kontexten, mit vielen Rollen. NLP hat kein fixes Persönlichkeits-Modell, in dem Sinn, daß Menschen so oder so sind. NLP betont die Kontext-Abhängigkeit des Verhaltens: in dem einen Kontext sind Menschen vielleicht mutig oder liebevoll, in dem anderen Kontext ängstlich oder aggressiv. Menschen, die in einem Kontext einen
Pol leben, leben in einem Kontext den anderen. Alle Modelle des NLP, die Typen von Persönlichkeiten beschreiben (wie das
bevorzugte Repräsentations-System,
Strategien oder
Meta-Programme) sind als kontext-abhängige Modelle zu verstehen, die keine oder nur eingeschränkte Aussagen über eine Person als ganzes erlauben.
(2) In der zweiten Bedeutung bezeichnet der Kontext einer Situation nicht die "objektiven" Umstände, sondern die subjektive Interpretation, der subjektive Rahmen, in dem ein Ereignis eingebettet ist. Wahrnehmen bedeutet, etwas Bedeutungsvolles für wahr zu nehmen, etwas Bedeutung zu geben, etwas in einen Kontext zu stellen. Die Konstruktion eines Kontextes ist ein alltäglicher Prozeß menschlicher Modell-Bildung (wie ihn auch das
Meta-Modell beschreibt). Jeder Kontext, den Menschen für wahr erachten, ist auch ein konstruierter Kontext, eine Bedeutungs-Gebung, die auch anders sein könnte und die von anderen Menschen auf eine andere Weise vorgenommen wird. NLP geht davon aus, daß das Verhalten jeder Person Sinn ergibt , wenn es im Kontext der Realität dieser Person interpretiert wird.
"Probleme", die sich Menschen konstruieren, sind oft deshalb Probleme, weil sie in einem spezifischen Kontext konstruiert wurden. Kontext oder Rahmen heißt im Englischen Frame. Die NLP-Techniken des
Reframings basieren auf der Idee der Beliebigkeit von Kontext-Konstrukten und der Möglichkeit, sie zu verändern.
Kontext-Reframing Beim Kontext-Reframing wird ein Problem in einen neuen Rahmen gestellt, d.h. reframt. Mehr dazu unter
Reframing.
Konversations-Postulate. Konversations-Postulate sind Ja/Nein-Fragen, die statt einer Antwort normalerweise eine bestimmte Reaktion bewirken. Beispiele: "Wissen Sie, wie spät es ist?", "Können Sie die Tür schließen?", "Klingelt das Telefon?". Konversations-Postulate sind keine wirklichen Fragen. Üblicherweise werden solche Fragen nicht mit einer Ja/Nein-Antwort, sondern mit einer Handlung beantwortet: Man sagt, wie spät es ist, macht die Tür zu, Konversations-Postulate sind versteckte Befehle. Sie gelten in NLP als Teil des
Milton-Modells. "Können Sie im Lexikon weiterlesen?", "Werden Sie uns gleich oder erst später ein Feedback geben?"
Körper NLP geht von der Einheit von Körper und Geist aus. Fast alle körperlichen Vorgänge werden vom
Unbewußten reguliert. Die Gesamtheit der Körper-Empfindungen werden in NLP dem
kinästhetischen Sinnes-System zugeordnet.
Genaues Wahrnehmen bezieht sich auf die Körper-Signale anderer Menschen und ihrer
Physiologie. NLP-geschulte Personen achten auf die
Zugangs-Hinweise des Körpers, um Informationen über innere Prozesse anderer Menschen zu bekommen.
Innere Zustände sind zugleich körperliche und geistige Zustände, sie äußern sich auch in einer bestimmten
Atmung und einer bestimmten Art, den Körper zu bewegen. Diese Tatsache wird im Konzept der
Bewegungs-Anker verwendet, um Körper-Bewegungen mit erwünschten inneren Zuständen zu koppeln, sie miteinander zu verankern.
Körper-Sprache Die Körper-Sprache anderer Menschen enthält erstaunlich viele Informationen, die Auskunft geben über ihre Befindlichkeit, ihren inneren Zustand und ihre inneren Prozesse. Die Menge an Informationen, die in Körper-Signalen enthalten ist, ist unvorstellbar groß. Rein quantitativ betrachtet, senden wir in jeder Sekunde 10 Millionen Bit an die Umwelt. (Nach der Erlanger Schule davon 32 Prozent über das Skelett, 26 Prozent über die Hände, 23 Prozent über die Sprachmuskeln und 19 Prozent über das Gesicht). Die Menge an Informationen, die wir über verbale Sprache transportieren, ist demgegenüber verschwindend klein. Die verbale Informations-Vermittlung macht einen winzigen Teil aller Informationen aus. Wir "reden" fast nur mit dem Körper und fast gar nicht mit der Sprache. Die Sprache des Körpers sagt viel mehr als die der Rede.
Bewußtsein ist ein Auswahl-Prozeß und kulturell sind wir trainiert, bewußt auf die wenigen Informationen, die in Worten enthalten sind, zu achten und den riesigen Kosmos der Körper-Sprache nicht wahr-zu-nehmen (vielleicht eine Auswirkung des
mechanistischen Welt-Bildes). Was "sehen" Sie, wenn Sie sich im Spiegel ansehen?
Kommunikation zwischen zwei Personen ist ein Informations-Austausch in folgenden Größen-Ordnungen. Jede Person sendet über ihren Körper 10 Millionen Bit pro Sekunde. Jede Person empfängt über ihre Sinne mindestens 10 (vielleicht sogar 100 oder 1000) Millionen Bit pro Sekunde (Die genauen Zahlen sind umstritten, spielen aber für das Argument keine Rolle). Dazwischen steht das Bewußtsein, das ungefähr 10 Bit pro Sekunden an Informationen enthält: höchstens ein Millionstel der Informationen, die wir bekommen und die wir aussenden, ist uns bewußt. Wie nehmen viel mehr Bits auf und wir geben viel mehr Bits ab, als uns überhaupt bewußt wird.
Daraus kann ein interessanter Schluß gezogen werden: "Andere Personen wissen mehr als wir selbst, da ihnen über unsere Körper-Sprache die Millionen Bit/Sekunde in unserem Gehirn zugänglich sind, die nicht in unser Bewußtsein gelangen." (Norretrander). Andere Personen wissen potentiell viel mehr über uns, als wir über uns selbst wissen. Dieses Wissen wird über Körper-Sprache transportiert. Wesentliche Teile unserer Persönlichkeit existieren jenseits unserer eigenen Aufmerksamkeit, sind aber für alle anderen vorhanden und sichtbar. (Ist das
Johari-Fenster 2 unvorstellbar groß?).
In NLP trainieren sich Menschen, Signale des Körpers wahrzunehmen, die im kulturellen Wahrnehmungs-Training verborgen bleiben. Körper-Signale werden in NLP
Zugangs-Hinweise genannt.
Liste von Zugangs-Hinweisen, die Sie trainieren können. Manche Personen, die dieses Training ernsthaft betreiben, haben den Eindruck, "eine neue Welt zu betreten", wo sie Informationen wahrnehmen und Informationen aussenden, die andere bewußt nicht erfassen. John Grinder und Richard Bandler haben einmal zu einem Klienten gesagt. "Wir kommunizieren besser mit ihrem Unbewußten als sie selbst."
Körpersprachliche Informationen werden manchmal als
Meta-Botschaften über verbale Botschaften definiert. In NLP wird dies nicht im Sinne einer Hierarchie gedeutet, wenn beide Botschaften zueinander
inkongruent sind. D.h. es wird nicht der Standpunkt vertreten, die nonverbale Botschaft sei "wahrer" als die verbale Botschaft. NLP interpretiert hier die "Meta"-Botschaft als "Para"-Botschaft: die beiden widersprüchlichen Botschaften stehen gleichberechtigt nebeneinander. Sie sind Ausdruck von nicht zusammenpassenden Teilen des
Welt-Bildes einer Person: ein Teil wird verbal-sprachlich, der andere körper-sprachlich transportiert. (Vgl. damit auch die Technik des
Kurzschließens).
Körper-Wahrnehmung Körper-Wahrnehmung bedeutet Körper-Bewußtsein zu haben, sich seines Körpers bewußt zu sein. Weil wir unser
Bewußtsein in jedem Augenblick auf tausend verschiedene Phänomene richten können, können wir uns unseres Körpers mehr oder weniger bewußt sein. Die Intensität, mit der wir unseren Körper erfahren, kann sehr unterschiedlich sein. Körper-Bewußtsein bedeutet ein Modell über den eigenen Körper, eine innere Landkarte präsent zu haben. Diese Landkarte ist nicht konstant, sondern ändert sich dauernd. Manchmal verfügen wir nur über ein reduziertes Körper-Modell, wir sind uns unseres Körpers nur wenig bewußt, weil das Bewußtsein auf andere Inhalte gerichtet ist. Das Modell des Körpers verfügt dann (um in der visuellen Metapher zu bleiben) über weiße Flecken, - wie in den alten Landkarten, in denen das unbekannte Gebiet als weiße TERRA INCOGNITA eingetragen war. Körper-Bewußtsein ist die Fähigkeit, in den Körper "hineinzusehen" (visuell), in ihn "hineinzuhorchen" (auditiv), ihn "zu spüren" (kinästhetisch).
Menschen sind unterschiedlich trainiert, zu ihrem eigenen Körper Zugang zu haben und ihn wahr-zu-nehmen. Ein Großteil der NLP-Techniken kann nur dann wirksam durchgeführt werden, wenn Menschen in einer gewissen Intensität ihren Körper wahrnehmen können. (Ein Beispiel ist das "Horchen" auf Körper-Signale für Ja/Nein-Botschaften im
Sechs-Stufen-Reframing). In NLP wird die Fähigkeit zur Körper-Wahrnehmung positiv interpretiert. Körper und Unbewußtes gehören zusammen: Körper-Wahrnehmung fördert den Zugang zum Unbewußten, zu seinen
Teilen und ihren
guten Absichten. In NLP geht es nicht darum, "im Körper zu versinken" oder "sich seinen Gefühlen hinzugeben". NLP betont das Moment der
Selbst-Steuerung, eines produktiven Umgangs mit den Gefühlen. Erwünschte Gefühle können verstärkt werden, in dem Menschen
assoziierter ihr Erleben genießen (
Assoziierungs-Techniken des NLP). Unerwünschte Gefühle können abgeschwächt werden, in dem Menschen sich von ihrem Erleben mehr
dissoziieren (
Dissoziierungs-Techniken des NLP).
Viele NLP-Techniken sind geeignet, die Fähigkeit zur Körper-Wahrnehmung zu schulen und zu verbessern. Ein Beispiel ist die sogenannte
trans-derivationale Suche nach
Ressourcen (Diese Technik wird bei vielen NLP-Interventionen angewandt): hiuer werden Gefühle aktiviuert, um so Zugang zu Ressourcen aus der Vergangenheit zu bekommen. Viele NLP-Techniken beinhalten einen schnellen Wechsel
innerer Zustände, die immer auch körperliche Zustände sind. Je mehr und je öfter Menschen den Zugang zu ihren Ressourcen, wie
Moment of Excellence oder
Quelle, schulen, desto leichter fällt es ihnen, ihren Körper wahrzunehmen, sensibel zu sein und auf seine Bedürfnisse zu achten.