Dissoziieren, dissoziiert sein Gegenteil von assoziieren und assoziiert sein. Dissoziieren bedeutet: Abstand haben, nicht voll dabei sein, nicht zugehörig sein, innerlich Distanz halten, eine Meta-Position einnehmen. Die Fähigkeit, sich zu dissoziieren ist eine der Grund-Techniken des NLP. Sie ist auch eine der Vorbedingungen, um mit sich oder mit anderen Personen eine der Änderungs-Techniken des NLP anwenden zu können. Am Ausgangspunkt steht meist die Vorstellung oder das Erleben eines Problem-Zustandes ( stuck state), der positiv verändert werden soll. NLP schreibt dem Erleben des Problem-Zustands keinen Eigenwert zu. Das, was es in diesem Zustand zu lernen gab, wurde schon erlernt. Einen Problem-Zustand assoziiert zu erleben, dient in NLP lediglich der Informations-Gewinnung und dauert meist nur kurz. Im Anschluß daran wird sofort eine Dissoziation von diesem Zustand versucht, - d.h. eine Person leitet sich selbst an oder wird von einer anderen Person angeleitet, "aus dem negativen Zustand heraus zu gehen". Erst im dissoziierten Zustand beginnt die Ziel-Arbeit für diese Situation und die Anreicherung des Problems (der Problem-Konstruktion) mit Ressourcen.

Dissoziierungs-Techniken Prozesse, die bewirken, daß eine Person mehr dissoziiert ist. Die Dissoziierungs-Techiken des NLP sind das Gegenstück zu den Assoziierungs-Techniken des NLP. Beide können in allen Repräsentations-Systemen ablaufen. Visuell (auditiv) sich zu dissoziieren bedeutet, eine Szene von außen zu betrachten (von außen zu hören). In der visuellen Dissoziation einer Erinnerung sehe ich mich, wie ich da dies tue. Ich betrachte die Szene von außen wie einen Film oder ein Foto. In der auditiven Dissoziation einer Erinnerung höre ich von außen, aus Distanz, was es da zu hören gab. Wenn ich in dieser Szene selbst gesprochen habe, dann höre ich in einer disoziierten Erinnerung meine Stimme aus Distanz, von weit weg.

Eine visueller Dissoziation wird in den meisten Fällen möglich, wenn eine Person die Szene, um die es geht, weit weg und / oder nach unten schiebt. In der visuellen Dissoziation betrachte ich eine Szene, die sehr weit weg (im Extremfall am Horizont) oder weit unten ist: Ich bin auf einem hohen Berg, sitze in meinem Lieblings-Ufo, auf einer Wolke, auf einem großen Adler, und betrachte weit unten im Tal die Szene und sehe mich selbst, was ich damals getan habe. Andere Beispiele sind, sich vorzustellen: (1) man sei hinter einer dicken Glasmauer und könne so die Szene betrachten, (2) man sei mit einer schützenden Licht-Hülle umgeben, (3) man befände sich hinter einer Hülle aus Bienenwaben, könne durch die Waben durchsehen und in den Waben bleibe die negative Energie hängen, die von der Szene da vorne ausgehe, (4) man befände sich hinter einer Licht-Schranke, die alle schädlichen Strahlen aufhält, usw.

In sehr belastenden Erinnerungen oder bei Szenen, die jemanden "überfallen" (die Person muß immer daran "denken") kann eine doppelte oder dreifache Dissoziation hilfreich sein. Bei der doppelten Dissoziation wird eine weitere Meta-Ebene konstruiert: ich (aus Ebene 3) betrachte mich (in Ebene 2), wie ich dasitze und auf das Geschehen in Ebene 1 schaue, wo ich zu sehen bin. In der dreifachen Dissoziation gibt es eine zusätzliche vierte Ebene, usw. Mehrfache Dissoziationen sind in beliebiger Zahl möglich.

Für eine auditve Dissoziierung ist oft eine Veränderung des inneren Dialogs nützlich. Hier werden die Untereigenschaften innerer Stimmen erkundet (Von wo kommen sie her? Aus dem Körper oder von außen? Wo genau stelle ich mir den Ort dieser Stimmen vor? Handelt es sich um männliche oer weibliche Stimmen? Laut oder leise?) und anschließend verändert (z.B. sich vorzustellen, die Stimmen kämen von weit weg, sie würden langsamer oder schneller sprechen, usw.).

Kinästhetische Dissoziation wird durch eine Veränderung des Körpers ermöglicht. In vielen Fällen genügt es, den Körper etwas zu verändern, vielleicht etwas zurückzunehmen, um sich von der aktuellen Situation dissoziieren zu können (und z.B. fähig zu sein, die Situation aus der dritten Wahrnehmungs-Position zu analysieren). Dissoziieren im Alltag kann durch bestimmte Gesten oder Körper-Bewegungen erreicht und trainiert werden, z.B. durch einen Selbst-Anker. Eine Kombination von visueller und kinästhetischer Dissoziierung ist folgendes Verfahren: (1) Stellen Sie sich eine belastendes Körper-Gefühl (den Knödel im Bauch, das Kopfweh) visuell in ihrem Körper vor (als Ding, wie den Knödel, als Symbol, ), (2) Geben oder werfen Sie diese visuelle Vorstellung aus Ihrem Körper (Nehmen Sie den Knödel in die Hand und werfen Sie ihn weit weg), (3) Betrachten Sie dieses Ding von außen (Blicken Sie auf den Knödel, der weit entfernt ist). Eine andere Methode, die oft hilfreich ist, ist die Veränderung der Körper-Welle von Gefühlen, die bei den Assoziierungs-Techniken beschrieben wurde.

Eine schnelle Dissoziierung von inneren Zuständen wird oft möglich, wenn die Aufmerksamkeit bewußt nach außen gerichtet ist ( up-time). Dieses Verfahren findet bei vielen NLP-Interventionen Anwendung, wo es um einen schnellen Wechsel innerer Zustände und einen raschen Zugang zu wirkungsvollen Unterbrechern geht.

Sehr massive schlechte Zustände (akute stuck states) sind oft durch eine Synästhesie visueller, auditiver und kinästhetisher Repräsentationen gekennzeichnet. Gelingt es, diese Synästhesie aufzulösen, so können Menschen sich rasch dissoziieren und sich so aus ihrem schlechten Zustand befreien. Eine einfache Anleitung dazu, - in der Anwendung auf eine Person, die in einem stuck state gefangen ist:
(1) Erkunden Sie die visuelle, auditive und gefühlsmäßige Repräsentation des stuck states dieser Person. Sie stellt sich z.B. die belastende Situation visuell vor (d.h. sie sieht eine Szene), hört in ihrem Kopf einen lauten Dialog und verspürt ein Gefühl von Übelkeit im Bauch.
(2) Geben Sie diese drei Repräsentationen aus dem Körper hinaus und weisen Sie ihnen drei weit voneinander getrennte Plätze zu. Veranlassen Sie die Person, sich z.B. vorzustellen, die belastende Szene sei weit oben am Himmel zu sehen, der Dialog käme von weit rechts und das Gefühl der Überkeit sei weit links plaziert.
(3) Lenken Sie die Aufmerksamkeit der Person in schnellem Wechsel hintereinander auf diese drei Plätze. Deuten Sie in keiner bestimmten Reihenfolge mit dem Finger auf die drei Orte und nennen Sie dazupassende Stichworte, wie "Sehen", "Hören", "Fühlen". Dabei soll die Person ihre Aufmerksamkeit blitzschnell zwischen den drei Orten wechseln lassen.
In der Regel kann dabei eine Phase von Konfusion (Verwirrung), gefolgt von einer deutlichen Veränderung der Problem-Physiologie beobachtet werden.

Dritte Position Die dritte der drei Wahrnehmungs-Positionen: das Erleben einer Situation vom Standpunkt eines unbeteiligten Beobachters.

Down-time Gegenteil von up-time: mit sich selbst, mit seinem Innen-Leben beschäftigt sein. Die Aufmerksamkeit ist nach innen gerichtet, z.B. auf innere Bilder, auf Gefühle, auf den inneren Dialog. Die "Außen-Welt" bleibt dabei weitgehend ausgeblendet. Die Fähigkeit zu down-time ist eine der Vorbedingungen für die Erkundung innerer Repräsentationen, der Grundlage des NLP.

Durch-Zeit (through time) Eine Variante der inneren Zeit-Linie: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft liegen außerhalb der Person Zeichnung zu den Zeit-Linien