Belief Ein in NLP üblicher Begriff für Überzeugungen, Einstellungen, Glaubenssätze. Beliefs sind
Verallgemeinerungen über "die Welt", über andere Personen und über uns selbst (unser Verhalten, unsere Fähigkeiten, darüber, wer wir sind). Beliefs bezeichnen alle Überzeugungen von Menschen, denen ein Wahrheitscharakter zugeschrieben wird. Beliefs sind Überzeugungen, nach denen wir leben. Beliefs sind Interpretations-Muster, mit denen wir unsere Sinnes-Erfahrungen ordnen. Beliefs sind
Wahrnehmungs-Filter, die die ungeheure Fülle von Informationen aus der Außen-Welt ordnen. Ohne Beliefs wären wir nicht in der Lage, die Welt sinnvoll wahrzunehmen und ihr Bedeutung zu geben. Beliefs entstehen auf einer sehr hohen (abstrakten) Ebene der Verarbeitung von Sinnes-Eindrücken. Beliefs sind Interpretationen von Wahrnehmung, verdichtete Erfahrung.
Beliefs können als Regeln verstanden werden. Inke Jochims unterscheidet hier (nach Dilts) zwischen (1) präskriptiven und (2) deskriptiven Regeln.
(1) Präskriptive Regeln sind Regeln, die ein
Verhalten vorschreiben, was in einem besonderen
Kontext erlaubt ist und was nicht. Präskriptive Regeln sind Normen, Werturteile, soziale Regeln, "Beliefs über Grenzen". Sie sind rational nicht begründbar und werden meist nonverbal vermittelt. Präskriptive Regeln wurden von einer Autorität formuliert und sind oft mit intensiven Gefühlen verbunden.
(2) Deskriptive Regeln sind Beliefs über Zusammenhänge, Interpretations-Muster über Zusammenhänge, kombinierte Beschreibungen von Ereignissen. Einschränkende deskriptive Beliefs äußern sich in der Regel als Verletzungen des
Meta-Modells. Sie können meist als
Verzerrungen anhand der Kategorien "komplexe Äquivalenz" und "Ursache-Wirkung" identifiziert werden (Inke Jochims definiert sie als Verallgemeinerungen).
Dilts beschreibt zwei Hauptformen, wie sich deskriptive Beliefs sprachlich äußern: (1) als kausale Beziehungen ("A verursacht B"), und (2) als Bedeutungs-Beziehungen ("A bedeutet B").
(1) Ursache-Wirkungs-Beliefs suggerieren, daß das das Auftreten von A das Auftreten von B bewirkt: "Häufiges Bildschirm-Schauen verursacht Glücks-Gefühle". "Dieses Lexikon macht Sie klug." Kausale Beliefs suggerieren einen Zwang: es muß so sein. Kausale Interpretationen sind für
innere Zustände und soziale Beziehungen fast immer inadäquat. Für unerwünschte innere Zustände bedeuten sie eine Einschränkung der Wahl-Freiheit: "Du machst mich traurig". Beliefs dieser Art torpedieren den Gedanken der
Selbst-Steuerung: innere Zustände erscheinen als von außen determiniert. Im sozialen Bereich aktivieren kausale Beliefs Macht-Illusionen und schreiben Opfer-Täter-Rollen fest.
(2) Bedeutungs-Beziehungen verbinden Beschreibungen mit Schlußfolgerungen: "Wenn Sie das verstehen" (eine Beschreibung A), "dann bedeutet das, daß Sie O.K. sind" (eine Schlußfolgerung B). Die Suggestion hier ist: wenn die Beschreibung A wahr ist, dann ist auch der daraus gezogene Schluß B wahr. Beliefs dieser Art beruhen nach Inke Jochims auf zwei Irrtümern: (a) aus einer Beschreibung kann man nicht zwingend eine Schlußfolgerung ziehen ("Weil Du mich so ansiehst, hast Du mich nicht lieb!"), (b) Beschreibungen (Sinnes-Eindrücke) und Schlußfolgerung (Interpretationen) werden gleichgesetzt, obwohl sie anderen logischen Ebenen angehören.
NLP räumt Beliefs einen umfassenden Stellenwert ein. Wir brauchen soziale Regeln, wir brauchen Vorstellungen über Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge und wir müssen Ereignissen Bedeutung geben. Beliefs beschreiben, wie sich Menschen in der Welt orientieren. Ohne Beliefs könnten wir nicht leben, weil wir vollkommen orientierungslos wären.
Bewußtsein ist ein Auswahl-Prozeß. Alles, was wir denken und tun, ist von Beliefs strukturiert. Beliefs sind machtvolle
Wahrnehmungs-Filter. Wir nehmen nicht das wahr, was ist ist, sondern das, was wir glauben, was ist. NLP geht von einer engen Wechselwirkung von Beliefs und Wahrnehmung, sowie von Beliefs und Verhalten aus. NLP als Theorie von subjektiven Erfahrungen ist das Studium dieser Wechselwirkungen, bei sich und bei anderen.
Beliefs entstehen nach Gundl Kutschera: (1) in intensiv empfundenen Situationen, (2) durch kognitives Wissen, (3) durch Ergebnisse, die wir in der Vergangenheit erzielt haben, (4) indem wir klare Ziele setzen. 0'Conor und Seymour beschreiben die Herkunft von Beliefs so: "Glaubenssätze und Einstellungen entspringen vielen Quellen - aus Erziehung,
Modellieren von bedeutsamen anderen Menschen, Vergangenheitstraumen und wiederholten Erfahrungen. Wir entwickeln Glaubenssätze dadurch, daß wir unsere Erfahrungen mit der Welt und mit unseren Mitmenschen generalisieren, das heißt,
Verallgemeinerungen ableiten. Woher wissen wir, aus welchen Erfahrungen wir generalisieren sollen? Einige Einstellungen kommen fertig aus der Kultur und der Umgebung, in die wir hineingeboren werden. Die Erwartungen der bedeutsamen Menschen, die in unserer Kindheit um uns sind, prägen uns Glaubenseinstellungen ein. Hohe Erwartungen (vorausgesetzt, sie sind realistisch) bilden Kompetenz. Niedrige Erwartungen flößen Inkompetenz ein. Wenn wir noch jung sind, glauben wir, was uns gesagt wird, denn wir haben keine Möglichkeit, es zu überprüfen. Diese Glaubenssätze können überdauern, ohne durch unsere späteren Leistungen modifiziert zu werden."
NLP klassifiziert Beliefs nicht nach wahr oder falsch, sondern nach nützlich oder schädlich. NLP kennt keinen Wahrheits-Begriff. NLP überprüft nicht die Richtigkeit von Beliefs (wie könnte man das tun?), sondern die möglichen Folgen von Beliefs: welche Auswirkugen hat es, wenn ich überzeugt bin, erfolglos zu sein, welche, wenn ich überzeugt bin, erfolgreich zu sein?
Übungsanleitung für das Studium begrenzender Beliefs. NLP klassifiziert die Wirkungen von Beliefs in Hinblick auf
Ziele,
Kriterien und
Werte. Beliefs können Ziele fördern und Beliefs können Ziele verhindern. NLP hat diesen Gedanken auf sich selbst angewandt und einen Katalog von fördernden
Grundannahmen des NLP erstellt, mit dem sich alle, die ernsthaft NLP betreiben, auseinandersetzen (und auseinanderzusetzen haben).
Beliefs sind eine der
logischen Ebenen des NLP. Als übergeordnete Ebene reguliert sie die Ebenen der
Fähigkeiten und des
Verhaltens. Auch die übergeordneten Ebenen der
Identität und der
Zugehörigkeit können als Beliefs definiert werden. Auf der Ebene der
personalen Identität sind alle Vorstellungen über uns selbst enthalten, unsere Selbst-Bilder, unsere Beliefs über uns, was wir glauben, wer wir wirklich sind. Die Ebene der Zugehörigkeit beinhaltet alle Überzeugungen über etwas, was mehr als unsere Individualität, unsere Person ist. NLP ist das Studium der Wirkungsweise von Beliefs: wie übergeordnete Beliefs untergeordnete Beliefs, Fähigkeiten und Verhaltensweisen beeinflussen und wie diese wiederum auf höhere logische Ebenen rückwirken.
NLP hat viele Techniken entwickelt, um Beliefs zu erkunden und Beliefs zu verändern. Für die Erkundung von Beliefs sind insbesondere die Frage-Techniken des
Meta-Modells,
Warum-Fragen sowie die Untersuchung von
Vorannahmen geeignet.
Umfangreiche Anleitung zum Studium der langfristigen Wirkungen von Beliefs. Fast alle
Änderungs-Techniken des NLP sind geeignet, unerwünschte Beliefs in einer Richtung, die mehr den eigenen Zielen entspricht, zu verändern. Mit Hilfe der
Neuprägung ist es oft möglich, auch tiefsitzende (und in Vergessenheit geratene) Beliefs aus der Kindheit bewußt zu machen und nachhaltig zu verändern. Beliefs werden in NLP auch mit den Methoden des
Reframings, insbesondere des
Punch-Reframings (Sleight-of-Mouth-Patterns) verändert. In NLP gibt es eigenes Set von Interventionen, die "Belief-Änderungen" genannt werden. Dabei geht es darum, die innere Vorstellung, die mit einem hinderlichen Belief verbunden ist, zu erkunden und zu verändern. Von besonderer Bedeutung sind die Belief-Änderungen durch direkte Veränderungen von
Untereigenschaften (
Anleitung 1, Gundl Kutschera,
Anleitung 2, Walter Ötsch) spwie der Belief-Änderungen mit Hilfe von
Boden-Ankern (
Anleitung dazu) (eine Varinate: Belief Change Cycle, Anleitung dazu) bzw. der
Boden-Zeit-Linie (
Übung dazu) .
NLP ist praktizierter Konstruktivismus. Der Belief-Gedanke ist der zentralste theoretische Gedanke des NLP. Er besagt, daß alles, woran wir glauben, alles, das für uns existiert, alles, was wir für wahr halten, jede Art von Bedeutungs-Gebung nicht zwingend aus den Umständen, aus unserer Lebens-Geschichte, aus der Umwelt folgt, sondern innerlich konstruiert wird, ein Konstrukt ist. Im englischen Wort BeLIEf ist LIE, die Lüge, enthalten. BeLIEfs sind keine Lügen im wörtlichen Sinn, aber sie sind immer nur mögliche Deutungen, die auch anders ein könnten. Im deutschen Wort ÜBER-Zeugung ist ein anderes Wort-Spiel enthalten. ÜBER verweist auf eine
Meta-Ebene: dem was ist, wird noch eine Ebene hinzugefügt, die Ebene der Deutungen, der Interpretationen. Zeugung ist ein sehr machtvolles Wort. So wie Vater und Mutter ein Kind zeugen, so zeugen wir mit unseren ÜBER-Zeugungen die Realität, in der wir leben.
Das Belief-Konzept des NLP ist die Basis jeder
Änderungs-Arbeit im NLP. Weil alles innerlich konstruiert ist, ist es prinzipiell möglich, alles zu verändern. In der praktischen Arbeit, in der tatsächlichen Erfahrung, kann immer nur ein kleiner Teil von Beliefs verändert werden. Viele Beliefs, die unser Leben auf grundlegende Weise regeln, sind uns nicht bekannt. Beliefs, die nicht bekannt sind, können nicht als Beliefs erkannt und verändert werden. Die machtvollsten Beliefs sind
Vorannahmen, die uns nicht bekannt sind. Unsere Art, zu denken und zu leben, wird von Vorannahmen reguliert, die uns nicht bekannt sind. Das Ziel der
Selbststeuerungs-Techniken des NLP ist die schrittweise Entdeckung hinderlicher Vorannahmen, ihre Überprüfung, ihre Veränderung, die Konstruktion neuer Vorannahmen und ihre Integration ins Leben. Der Belief-Gedanke des NLP ist ein tiefer Gedanke. Er beinhaltet ein lebenslanges Lern-Programm, wo wir immer mehr lernen, in welcher Weise wir unser Leben, seine Sonnen- und Schatten-Seiten, seine Erfolge und Dramen, durch unsere Beliefs gestalten. Den Belief-Gedanken als kognitiven Gedanken zu "verstehen", - und versuchen, ihn in sein Leben zu integrieren, sind zwei Paar Schuhe. Viele NLPler reden von Beliefs, meinen aber nur die Beliefs der anderen (die nicht ihre eigenen Beliefs sind). Den Belief-Gedanken auf sich selbst anzuwenden (oder versuchen, es zu tun oder sich darum zu bemühen), liegt auf einer anderen Ebene. Wie können wir diesen Prozeß beschleunigen? Was würde es bedeuten, den Belief-Gedanken auf den Belief-Gedanken anzuwenden?
Ein Märchen zum Belief-Gedanken