Anker Ein Reiz, auf den eine Person auf eine bestimmte Weise reagiert. Natürliche Anker sind z.B. Farben, die uns in eine bestimmte Stimmung versetzen, Musik, die uns aktiviert oder beruhigt oder ein Geruch, der uns an ein bestimmtes Ereignis erinnert. Das Wort Anker kommt von anchormen, das sind prominente Moderatoren in Talkshows. Allein das Auftreten eines bestimmten Anchorman soll das Publikum veranlassen sich diese Sendung anzusehen. Werbung ist ein gutes Beispiel für die Wirkung von Anker. Werbung produziert sinnliche Reize: Bilder von sympathischen Menschen und schönen Landschaften, das Logo des Produktes, markante Stimmen, ein einprägsamer Satz, Musik. All das soll positive Gefühle hervorrufen. Die Werbe-Industrie versucht, diese Anker oft und oft zu setzen. Das Gehirn lernt so die einzelnen Elemente als Einheit zu kodieren: auf unbewußte Weise werden der Slogan, das Logo, die Stimmen, die Musik und das Gefühl miteinander verbunden. (Das Gehirn lernt eine Synästhesie). Beim Kaufen soll diese Synästhesie aktiviert werden. Wir sehen das Logo des Produktes und - ohne daß uns dies zu Bewußtsein kommt - wird die gesamte Einheit von Sehen, Hören und Fühlen innerlich aktiviert. Das Logo des Produktes wirkt als visueller Anker, der visuelle Reiz führt zu einem positiven Gefühl: der Kunde kauft.

Das Konzept der Anker stammt aus dem Behaviorismus, wo Menschen als Reiz-Reaktions-Automatismen beschrieben werden. NLP als pragmatischer Ansatz verwendet die behavioristische Idee konditionierter Reize auf vielfältige Weise, ohne dabei das Menschen-Bild des Behaviorismus und seine Idee einer unbegrenzten Manipulation von Menschen zu übernehmen. Anwendungen von Anker im NLP sind:

(1) das Studium natürlicher Anker im Alltag, die uns - automatisch und meist unbewußt - die ganze Zeit in die eine oder die andere Richtung lenken. Für die Erkundung von Problemen kann es nützlich sein, die genauen Anker zu kennen: was genau löst die schlechte Stimmung aus, wenn ich mit diesen Menschen zusammen bin? NLP konzentriert sich dabei auf die sinnlichen Aspekte: was genau muß ich sehen, hören, um in dieses Gefühl zu kommen? Anleitung zu einer Analyse Ihres Arbeitsplatzes auf positive und negative Anker.

(2) Anker werden im NLP verwendet, um Zugang zu persönlichen Ressourcen zu schaffen. Eine Beraterin B kann z.B. einen Klienten K immer dann in einer bestimmten Weise berühren (z.B. auf die Schultern tippen), wenn K an ein schönes Erlebnis denkt und dabei eine Ressourcen-Physiologie zeigt. Nach einigen Wiederholungen "sitzt" der Anker: immer wenn B K auf genau dieselbe Weise (und sei es nur scheinbar unabsichtlich) berührt, verändert sich die Physiologie von K auf wahrnehmbare Weise. Damit hat B ein Instrumentarium, um K gezielt in seine Ressourcen zu führen. In NLP werden Anker systematisch eingesetzt, um Wirkungen bei anderen und bei sich selbst zu erzielen. Wenn K diesen Prozeß mit sich selbst macht, spricht man von Selbst-Anker. Selbst-Anker können ein hervorragendes Instrumenarium der Selbst-Steuerung sein. Glücks-Anker.

(3) Mit NLP können Menschen lernen, im Alltag klare Anker zu installieren und bewußt zu setzen. Ein Beispiel ist der Einsatz räumlicher Anker, z.B. im Büro oder bei einem Vortrag, mit genau definierten inneren Zuständen. Ein anderes Beispiel ist der pointierte Einsatz des Körpers. Körper-Sprache in Kommunikation kann auf andere als Anker wirken und die Präsentation eigener Ideen und Vorschläge erleichtern.

(4) Das Anker-Konzept des NLP schafft ein Verständnis für viele zwischenmenschliche Prozesse im Alltag: wie Personen sich selbst und andere beeinflussen, indem sie - oft unbewußt - innere Zustände steuern. Von besonderer Wichtigkeit ist die Kenntnis von Anker, die andere auslösen und die auf mich eine Wirkung ausüben. Die Fähigkeit, kalibrierte Schleifen zu erkennen, ist die Vorbedingung, um sie bewußt und zielgerecht zu verändern.

(5) Viele Änderungs-Techniken des NLP zielen darauf hinaus, natürliche Anker, die unerwünschte Reaktionen hervorrufen (z.B. immer, wenn jemand laut mit mir redet, werde ich ärgerlich), in ihrer Wirkung abzuschwächen oder zu löschen. Die Standard-Technik ist das Anker löschen: Dabei werden zwei Anker gesetzt: der negative (die laute Stimme) und ein positiver Anker, der mit Ressoucen verbunden ist (z.B.: Quelle). Werden dann beide Anker gleichzeitig aktiviert, dann verschmelzen beide Anker und der positive Anker kann den negativen Anker überlagern, so daß er in seiner Wirksamkeit gemildert oder gänzlich gelöscht ist.

Anker entmachten Anker löschen

Anker kollabieren Anker verschmelzen

Anker löschen Der Prozeß, bei dem ein Anker, der eine unerwünschte Wirkung ausübt, in seiner Wirkung gemildert oder aufgehoben wird. Anker löschen geschieht in NLP (1) durch bewußte Techniken und (2) unbewußt, automatisch - als Begleit-Prozeß anderer NLP-Interventionen.

(1) Im ersten Fall ist notwendig, einen Anker und seine Wirkung bewußt zu kennen (viele Anker wirken unbewußt). Anleitung: Welche positiven und negativen Anker hat Ihr Arbeitsplatz?. Das Bewußtwerden eines Ankers kann in manchen Fällen schon genügen um seine Wirkung entscheidend zu schwächen. Die Standard-Technik des NLPs für das bewußte Löschen von Anker ist das Anker verschmelzen. Dabei wird. ein Anker, der unerwünschte Wirkungen ausübt, durch einen stärkeren Anker überlagert, der mit erwünschten inneren Zuständen verbunden ist. Anleitung zum Löschen eines negativen Ankers, Gruppenübung zum Löschen eines auditiven Ankers

(2) Anker löschen geschieht als automatischer Begleit-Prozeß bei vielen Änderungs-Techniken des NLP. Wenn es z.B. gelingt, in einer Neuprägung eine traumatische Situation aus der Kindheit durch kraftvolle Ressourcen anzureichern (z.B. dem kleinen Kind, das verletzt worden ist, imaginativ Schutz und Liebe zu geben), dann können eine Vielzahl starker Anker in ihrer weiteren Wirksamkeit geschwächt oder gänzlich aufgehoben sein. Eine traumatische Prägungs-Situation ist eine Situation, bei er eine Person es nachhaltig lernt, auf einen äußeren Reiz (z.B. die laute Stimme des Vaters) in einer ganz bestimmten Weise zu reagieren (z.B. mit einem inneren Rückzug und Kopfschmerzen). Dieser Prozeß kann ein automatischer, unbewußter Prozeß werden: die Person reagiert im weiteren Leben auf laute Stimmen männlicher Autoritäts-Personen meist mit innerem Rückzug und Kopfschmerzen. Eine erfolgreiche Neuprägung kann diese Automatik unterbrechen. Der Anker (die laute männliche Stimme) hat für das weitere Leben andere Auswirkungen als Kopfschmerzen zu produzieren.

Anker setzen, ankern Der Prozeß, bei dem gewünschtes Verhalten mit einem bestimmten sinnlichen Reiz verknüpft wird, - das gewünschte Verhalten oder der erwünschte innere Zustand wird also verankert. Anker setzen kann in jedem Repräsentations-System erfolgen. Alles, was sinnlich wahrnehmbar ist, kann ein Anker sein. Visuelle Anker können Gesten sein, ein Blick, das Foto aus dem Urlaub, das Logo eines Produktes, ein bestimmter Platz in der Wohnung. Beispiele für auditive Anker sind Musikstücke, Stimmen, Zitate, Räuspern oder Worte, die mit einer bestimmten Lautstärke oder einem eigenen Tonfall analog markiert werden. Kinästhetische Anker sind z.B. Berührungen durch andere oder wenn wir uns selbst in einer bestimmten Weise berühren. Auch Geruch oder Geschmack können wirkungsvolle Anker sein: der Geruch dieser Person, in die ich damals so verliebt war

Bei vielen NLP- Interventionen sind kinästhetische Anker Teil des Prozesses (d.h. explizit in den Prozeß-Anweisungen zu finden) oder sie werden begleitend verwendet, z.B. um einen schnellen Zugang zu bestimmten inneren Zuständen zu finden. Starke positive Anker (z.B. Quelle) können für Veränderungs-Prozesse generell als Schutznetz dienen. Sie werden am Anfang einer Übung gesetzt. Sollte der Klient oder die Klientin im Verlauf der NLP-Beratung in unerwarteter und unerwünschter Weise mit negativen Gefühlen assoziiert sein, dann kann der positive Anker aktiviert werden, um das Herausführen aus dem negativen Zustand und den Aufbau eines wirksamen Unterbrechers zu erleichtern.

Beim Setzen von kinästhetischen Ankern ist u.a. zu beachten:
(1) Rapport. Ohne Rapport ist es schwierig, eine andere Person zu ankern (weil sie vielleicht innerlich etwas anders macht als intendiert ist) und ohne Rapport sollte keine andere Person geankert werden (NLP soll kein Manipulations-Instrument sein).
(2) Wo, an welcher Stelle des Körpers soll der Anker gesetzt werden? Anker sollen an einer sicheren und erreichbaren Stelle gesetzt werden. Aus Rapport-Gründen ist es nützlich, den Klienten oder die Klientin vorher um Erlaubnis zu fragen, wo eine Berührung angenehm ist.
(3) In welcher Weise, mit welchem Druck und mit welcher Intensität soll der Anker gesetzt werden? Hier geht es wiederum um Rapport und um klare Anker, d.h. um eindeutige Körper-Signale.
(4) In welchem Moment? Am elegantesten ist das Anker in der Phase des "Hineingehens" in einen Zustand, d.h. bis zum Höhepunkt des Erlebens, zu setzen. Dabei wird nicht nur der Zustand, sondern der Prozeß des Hineingehen in diesen Zustand verankert. Genau dieser Prozeß soll später durch das "Abfeuern" des Ankers ausgelöst werden.
(5) Wie lange? Die Berührung, die den Anker ausmacht, darf nur für die Dauer des Vorhandenseins des inneren Zustandes erfolgen, ansonsten kann der Anker (unabsichtlich) wieder gelöscht werden.

Anker setzen soll präzise erfolgen: ein Anker soll mit einem genau definierten inneren Zustand verbunden sein. Dazu muß der Coach exakt die dazupassende Physiologie kennen und fähig sein, sie genau wahrzunehmen. Anker setzen ist eine der Basis-Techniken des NLP, mit vielen Varianten und Modifikationen. Selbst-Anker, Stapel-Anker, Glücks-Anker, Gleit-Anker, Anker verschmelzen. Räumliche Anker Boden-Anker

Anker stapeln Der Prozeß, bei dem ein Stapel-Anker gesetzt wird.

Anker testen Ein etablierter (gesetzter) Anker wird in seiner Wirksamkeit überprüft, indem der Coach (Berater, Therapeut) den Auslöser aktiviert und der Klient mit genau dem geankerten Zustand reagiert - und zwar unabhängig davon, in welchem Zustand der Klient ist, wenn der Coach diesen Anker einsetzt. Die Wirkung des Ankers wird daran gemssen, ob der Coach die dazupassende Physiologie wahrnehmen kann.

Anker verketten Der Prozeß, bei dem ein Ketten-Anker gesetzt wird.

Anker verschmelzen, Anker kollabieren Der Prozeß bei dem zwei Anker mit unterschiedlichen internen Erfahrungen gleichzeitig aktiviert werden. Der stärkere Anker dominiert und es entsteht etwas Neues. Anker verschmelzen ist eine bekannte NLP-Intervention. Dabei werden, getrennt voneinander,
(1) zuerst ein negativer Anker (z.B. eine Erinnerung an ein unerwünschtes Ereignis) und
(2) dann ein positiver Anker (z.B. eine Ressource, die man sich bei diesem Ereignis gewünscht hat) gesetzt,
(3) beide Anker getrennt voneinander, in ihrer Wirkung überprüft (getestet) und
(4) anschließend gleichzeitig aktiviert ("abgefeuert").
Wenn der positive Anker der stärkere Anker ist (z.B. weil er länger und intensiver gesetzt wurde, weil er eine intensivere Erfahrung verkörpert oder weil er ein Stapel-Anker ist), dann "überlagert" er den negativen Anker. Der Verschmelzungs-Vorgang kann mit intensiven physiologischen Reaktionen (z.B. erröten, durchatmen, schwitzen) verbunden sein und kann unterschiedlich lang dauern (einige Sekunden bis einige Minuten). Das Ende des Verschmelzungs-Vorgangs kann von einem geschulten Beobachter meist exakt identifiziert werden ( Versöhnungs-Physiologie). Wenn dieser Prozeß erfolgreich abläuft, dann kann der negative Anker in seiner weiteren Wirksamkeit entscheidend geschwächt oder gänzlich gelöscht sein. Anleitung zum Verschmelzen zweier kinästhetischer Anker, Übungs-Anleitung zur Integration zweier dissoziierter Physiologien.