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Vorwort

Viele Leute, nicht nur in Österreich, haben Angst vor Haider. Viele sind verunsichert und wissen nicht recht, wie man ihm begegnen kann. Andere wiederum lehnen seine Methoden ab, bewundern ihn aber insgeheim.

Vor einigen Jahren wurde ich gebeten, einen Vortrag über den Kommunikationsstil der FPÖ zu halten. Ich bin Universitätslehrer und habe mich intensiv mit Kommunikation beschäftigt, zuerst für den Unterricht und dann in anderen Bereichen. In der Vorbereitung auf den Vortrag gewann ich Interesse an einem Thema, das mir vorher unbekannt war. Ich sah Videos von Auftritten und TV-Debatten Haiders, las Broschüren der FPÖ und Zeitungsartikel über die FPÖ, studierte Analysen über Haider und seine Methoden und verfolgte im Detail, wie politische Debatten in den Medien geführt wurden.

Mit der Zeit schälte sich ein klares Bild über einige einfache Kommunikationsmuster heraus. Zugleich stieg meine Verwunderung. Ich war zunehmend erstaunt, wie leicht es Haider von seinen Kontrahenten gemacht wurde. Ich fand kaum einen Interviewer, Reporter oder Diskussionsteilnehmer, der Haider in der Öffentlichkeit einigermaßen Paroli bieten konnte. Auch die Aktionen der Parteien, die angaben, gegen Haider zu sein, verblüfften mich. Sie agierten, als ob sie kein Mittel gegen seine Kommunikations-Methoden in der Hand hätten, und machten in vielen Fällen unter kommunikativen Gesichtspunkten genau das Verkehrte. Immer mehr wurde mir verständlich, warum Haider wachsenden Zuwachs bekommen konnte.

Haider ist ein kompetenter Kommunikator. Er verdankt seinem Aufstieg auch der Anwendung einfacher und effektiver Methoden, die er seit Jahren einübt und immer wieder einsetzt. Heute wundere ich mich, mit welch einfachen, fast simplen Mustern Haider seine Erfolge strickt und wie ungeschickt die anderen Parteien auf ihn reagieren. Haiders Erfolge haben viele Ursachen, sie sind zum Teil auch auf seine Kommunikations-Strategien zurückzuführen. Jeder, der Haider Widerstand leisten will, ist gut beraten, ihn auch als Kommunikator zu studieren und sich sachkundig zu machen, welche Methoden er mit Erfolg anwendet und wie man sie eindämmen kann.

Haider und viele Funktionäre in der FPÖ haben ein umfangreiches Wissen über kommunikative Prozesse. Im Unterschied zu anderen Parteien wird Politik in der FPÖ kaum als Sach-Politik verstanden. In der FPÖ finden sich viele Menschen, die in Politikbereichen agieren, über die sie inhaltlich wenig oder kaum Bescheid besitzen. Doch dieses Manko wird in vielen Fällen durch Kenntnisse darüber, wie man mit anderen wirkungsvoll kommuniziert, mehr als aufgewogen. Haider und seine Funktionäre werden, so kann vermutet werden, regelmäßig von Experten trainiert und auf die Inszenierung von Medienereignissen vorbereitet.

Es ist hoch an der Zeit, diesen Wissensvorsprung zu beenden. Die meisten Methoden im Umgang mit anderen sind nur dann wirksam, wenn der Adressat sie nicht kennt. Ein Kommunikationsprozeß, dessen Muster bekannt ist, verliert in der Regel seine Wirkung. Man weiß, was einen erwartet, kann sich vorbereiten und aussichtsreiche Gegenstrategien entwickeln.

Die Politik gegenüber Haider ist von Reaktionen, weniger von Aktionen geprägt. Viele Menschen sind von Haider demotiviert und wissen nicht, wie man ihm Einhalt gebieten kann. Ich möchte Sie mit diesem Text motivieren, Haider und all den unzähligen Mini-Haiders des Alltags gezielt entgegenzutreten.

Danksagung

Dieses Buch habe ich geschrieben, weil ich im Frühjahr 2000 von vielen Menschen dazu aufgefordert wurde. Zur Fertigstellung leisteten mehrere dutzend Personen in vielfältiger Weise wertvolle Hilfe. Stellvertretend für viele andere bedanke ich mich bei Frederick Baker, Julia Dykiert, Albert Enthammer, Franz Krahberger, Bernd Matouschek, Julian Rauchdobler, Thomas Maurer, Florian Scheuba und Alexander Schneider. Franz Januschek (Universität Oldenburg), Klaus Ottomeyer (Universität Klagenfurt) und Ruth Wodak (Österreichische Akademie der Wissenschaften) haben mich in ihren Forschungsgebieten unterstützt. Anita Pointner hat das Manuskript zügig in elektronische Form gebracht und Ulrike Hemedinger die vielen Belege sorgfältig überprüft. David Haardt unterstützt dieses Projekt, indem er die Internetsite www.haiderlight.at betreut. In der Endphase hat Josef Mitterer (Universität Klagenfurt) viele wertvolle Anregungen eingebracht. Ihnen allen - und den vielen hier nicht Genannten - gilt mein herzlicher Dank.


Walter Ötsch,
Linz, im Juli 2000


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